Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur thalmudischen Schriftdeutung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 17)
- Language
- German
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zur thalmudischen Schriftdeutung. Eine Skizze. 69 her Mischnah begründet, aber nicht eine ewige zugegebm wäre, indem im Gegentheile die-weitere Entwickelung des religiösen Lebens sich der Mischnah gegenüber hätte gelteudmachen können, die Mischnah aber als für ewige Zeiten verbindlich betrachtet wurde. Man mußte daher einen -Rückschritt, zu den Sadueäern hin machen und die -Autorität aller gegebenen Bestimmungen möglichst auf das Schriftwort zurückführen, die Bedeutung des nicht darauf Zurückgeführten wirklich geringer stellend. Wurde dadurch das religiöse Leben in seiner Entwickelung durchaus beschränkt, und mußten dadurch viele Bestimmungen der Mischnah unter einen ganzandern Gesichtspunkt gebracht werden, als sie in der Mischnah selbst ein nahmenso mußte auch das offenherzige Geständnis; der Mischuah (Chagigah 1, 8), welches wir oben S. 99 angeführt haben, daß nämlich für einige Gegenstände gar keine biblische Begründung zu finden sei, für andere nur eine sehr allgemeine, aus der aber keineswegs der weite Ausbau herzuleiten sei, dieses Geständnis, sage ich, mußte den Spätern ganz unerklärlich sein. In der That ist es ergötzlich und belehrend, die Gemara zu dieser Mischnahstelle zu vergleichen (das. 10u—111)). Daß „die Lösung der Gelübde in der Luft stiege", d. h. aller biblischen Begründung ermangle, erscheint ihr durchaus irrig, und sie versucht in verschiedener Art, dieselbe nachzuweisen, wie uns darüber im Einzelnen der. Traetat Nedarim eines Weiteren belehrt; daß „die Bestimmungen über Sabbath, Festopfer und Entweihung geheiligter Gegenstände wie Berge seien, die an einem Haare hangen, nämlich wenig in der Schrift darüber gesagt werde, der Gesetze aber^ so viele seien", kann die Gemara auch durchaus nicht finden, im Gegentheile findet sie, daß, mit Ausnahme von ganz Untergeordnetem und Vereinzeltem, Alles durch Deutung aus der Schrift zu entwickeln sei — wie dies wieder die über diese Gegenstände handelnden Traetate hinlänglich darzuthun bemühtv sind —, und aus den Bergen wird höchstens eine ganz einfache Wegerhöhung, die den: ungeübten Auge kaum sichtbar ist, und aus den wenigen, aus der Bibel zur begründenden, aber vielen später entwickelten Beftimmun- Vgl. eine kurze Entwickelung dieser Ansicht und Nachweise dazu in dieser Zeitschrift B. IV.W. 185—188»