Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur thalmudischen Schriftdeutung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
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2g IV. DaS Verhältniß des natürlichen Schristsinneö I. In welchem Verhältnisse steht die eregetische Anschauungsweise der Thalmudisten (der Lehrer der Mischnah und der Gemara) zu dem Deutungsverfahren, welches sie zur Ableitung der angenommenen Gesetze aus der Bibel in Anwendung brachten? II. Wie haben die Spätem die thalmudische Deutungsweise in Übereinstimmung gebracht mit dem klareren oder getrübteren Bewußtsein einer natürlichen Schriftauslegung? I. - Der prophetische Geist war in Israel geschwunden; die herrlichen Männer mit der schöpferischen Kraft und dem reich und rein sprudelnden'Gemüthe, die das innerste Geheimniß des Menschen und seiner Beziehung zu Gott erkannt und verkündet, waren nicht mehr; -nicht schaffen wollte man nun, sondern das Geschaffene sorgfältig bewahren, nicht aus dem lebendigen Geiste erzeugen, -sondern die Erzeugnisse aus der früheren Periode festhalten, die gewonnenen Resultate im Leben treu und — ängstlich ausdrücken. Der Sinn des wilden Umherschweifens, welcher dem prophetischen Geiste gegenüberstand, das ganz natürliche, ungöttliche Leben mit seinem blindem Götzendienste und seiner thierischen Unsitrlichkeit war gewichen, aber auch die Lebensfrische und die Ursprünglichkeit; an das Überkommene hielt man sich nun, ohne es sich zugleich zum innersten Eigenthume zu machen. Das ist der Gang der Geschichte, daß zuerst das geistige höhere Princip im Menschen in seiner Unmittelbarkeit, Ln seiner naiven Fülle auftritt und den Kampf besteht mit dem niederen, noch ganz unerteuchteten Principe; der Sieg erfolgt dann für jenes, wie er erfolgen muß, aber noch nicht in jener hohem Klarheit, daß das geistige Leben in seiner vollen Selbstständigkeit den Menschen ganz durchdringt, sondern nur in der zeitlichen Form, deren der Geist sich damals zu seiner Darstellung und Sichtbarwerdung bedient hatte, gebunden an die Gestalt, in der er zur Zeit des Kampfes offenbar geworden. Diese Gestalt, eigentlich blos Trägerin der Idee, befreit sich dann immer mehr von dem sie Belebenden, das ihr erst den Werth giebt, sie wird selbstständig; anfangs noch durchsichtig, so daß das Bewc^