Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 I. Die Aufgabe der Gegenwart. verletzt. Die Jugend ist befriedigt, das Mer ist zufrieden! Ist das nicht rührend? Sind das nicht die Tage des Messias? Da seht ihr's^ wenn man's ünr, recht anzugreifen weiß, nicht Alles zerstören, sondern nur Mißbräuchliches entfernen will)- unter diesem Banner einen sich Alle." Ja wohl, insofern es ein Leben und Geistessieg verkündendes ist, insofern in diesen Werbesserungen ein Geistesfunke liegt, ergreifen sie überwältigend Alt wie Jung; aber .wehe, wenn sie die ganze That. sein sollten und das abgestandene unlebendige Erzeugnis; des nicht mehr sich sortbewegenden Geistes. Ist denn diese einfache klare Wahrheit euch so ganz unzugänglich? Seht ihr denn nicht ein, daß der Gottesdienst nur das äußere Band ist, das heranswächst aus dem innern festgeschlungenen Bande, äußerlich'darstellt, was ün Innern der Glaubensgemeinde vorgeht, der Leib ist des religiösen Organismus, der nur dann gesundes Leben zeigt, so die Seele gesund ist, daß also in diesem Geiste die reine Erkenntniß wohnen, das Bekenntnis als solches zur Klarheit des religiösen Lebens, zur Lauterkeit des wahren, ungetrübten jüdischen Geistes erhoben sein muß, wenn diese bedeutende, aber immerhin einzelne, Äußerung, der Gottesdienst wahrhaft rein und erweckend anftreten soll? Der schöne Geist kann wohl dem mißgestalteten Körper einen höhern Reiz, Würde.und Weihe verleihen, aber nimmermehr ein wohlgeformter Leib dem irren Geiste, der vielmehr seine Verzerrung auch dem Leibe mittheilt. Nur in Verbindung daher mit einem wahrhaft innerlichen geläuterten religiösen Bewußtsein, welches das ausgesprochene und unzweideutig von der Glaubensgemeinde als solcher zur Geltung gebrachte Bekenntnis ausdrückt, und als dessen Folge kann ein wahrhaft veredelter Gottesdienst erzielt werden und gedeihen. Seht doch nur die, allerdings schätzbaren, Erfolge jenes selbstständigen Strebens um Veredlung des Gottesdienstes, wie dürftig sie sein würden, wenn sie sich nicht noch ferner an das Strebet: um wahrhaft geistige Umbildung der ganzen religiösen Anschauungsweise, um Geltendmachung des wesentlich jüdischen Princips, wie es in seiner Idee und geschichtlichen Entwickelung erkannt werden muß, anlehnen; wie dürftig sie bleiben würden, wenn man ferner für jede gottesdienstliche Einrichtung kümmerlich die Erlaubnis nachsuchte bei der nicht mehr lebendigen Anschauungsweise, und somit von vorn herein bei dem Ergebnisse —