Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 I. -Die ^Aufgabe der-Gegenwart. ratur war daS neue geistige Band, an dem man mit dem dritten Iahrzehend emstg zu weben begann. Wie ehedem, zur Zeit als die alte Anschauungsweise noch feststand, aber ihre schlichte Klarheit, die. Gesundheit des Lebens bereits verloren war, der Geist einen Ausweg suchte in Beleuchtung desjenigen gesetzlichen Theiles, der nicht mehr dem Leben angehörte, und Werke und Diskussionen bloö der Ausdruck' geistiger Thätigkeit sein sollten, ohne daß das praktische Leben durch sie unmittelbar sollte angebaut werden: so war nun das Heranbrechen einer höheren Auffassungsweise dadurch bezeichnet, daß man, weniger bekümmert um den Nutzen, der der Gegenwart und dem Leben daraus erwachsen könne, um eine klarere Kenntnis und - Erkenntnis der Vergangenheit bemüht war. Der einzige Weg dazu ist aber mit Kritik geübte.Geschichtsforschung, und dahin wendeten sich die Kräfte. Das Feld lag so gut wie brach. Für die Gelehrten der früheren Zeit hatte es nämlich Geschichte, das heißt ein, allmäliges äußeres Hervortreten, bedingt durch ein allmäliges inneres Werden, durchaus' nicht gegeben,' es gab nur eine lange, lange Gegenwart, in der blos zufällig in verschiedenen Theilen derselben jetzt das Eine/ jetzt das Andere her^- vortrat, ohne daß eine nothwendige . Entwickelung vor sich ging. Was kümmerten sie die verschiedenen Zeiten und die verschiedenen Personen? Da standen sie vor ihnen allesammt, Moses und die Propheten, Thalmudisten und Geonim und Nabbinen, und sprachen alle, nur mit etwas abweichender Zunge, in etwas anderem Ausdrucke, dieselben Worte, aus; auf solch dürrer Geschichtshaide ließ sich/dürres Moos, auch einige seltene Blümchen sammeln, und das Lhaten sie, oder die Phantasie verwandelte die Haide in einen Zaubergarten, und Sagen und Legenden, bunt und in Jrrgewinde verschlungen-, sproßten in 'ihm empor. Ein um so größeres Gebiet war nun dem Begabten eröffnet, um so größeren Reiz hatte daS Suchen nach Ausbeute, um so größeren Genuß gewährten dem Forscher wie dem Leser die neuen Aufschlüsse, die gefunden wurden. Daß die Aufmerksamkeit hiedurch selbst auf die abgelegensten Wege gelenkt wurde, daß Kleinigkeiten, die dem Auge des Uneingeweihten, durchaus nicht beachtenswert!) erschienen, Bedeutung erhielten, daß die Resultate oft scheinbar blos ein unfruchtbares Wissen, bereicherten, war natürlich, und dennoch selbst ohne den