Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 I. Die Aufgabe der Gegenwart. mittelbaren Erfolg, welchen diese Beschäftigungen auf daS Leben übten, zu üben-mindestens die Kraft in sich trugen, war ein großer Gewinn erzielt. Ein Moment war gefunden, geeignet, gerade iy den Tüchtigeren Interesse zu wecken, war das Band, .welches die Satzungen geschlungen hatten, zerrissen, so war ein neues bei den Begabteren an dessen Stelle getreten, die Theilnahme an dem ererbten geistigen Gute; war die Traditionskette der Lebensregeln gebrochen, so schlang man sich gerne als neuen Ning in die Traditionskette der Wissenden und Lehrenden. War die heilige Scheu -vor den Vorfahren als den untrüglichen Lehrern geschwunden, so erzeugte sich die Hochachtung vor ihrem hohen Ernste und ihrem ehedem zeitgemäßen umfangreichen Wissen, und was sie gewissermaßen als todte Werkzeuge göttlicher Eingebung verloren, das. gewannen sie nun wieder als lebendige Inhaber des sittlich-religiösen und wissenschaftlichen Geistes in seiner geschichtlichen Stufe. — Allerdings' hatte die Literatur auch die früheren Stadien der Entwickelung begleitet, aber blos als Dienerin des praktisch Anzustrebenden. Die Bibelübersetzung, Versuche einer reineren hebräischen - Stylistir, dem Standpunkte der zu Belehrenden angepaßte Bearbeitungen realwissenschaftlicher Gegenstände sollten die Empfänglichkeit der Juden für die Bildung der Zeit vorbereiten-und erhöhen; Betrachtungen über die Stellung der Juden zum Staate sollten diesen zur vollen Aufnahme jener bewegen , und jenen das Streben nach engerem Anschlüsse an diesen einflößen; Nachweisungen über die Nothwendigkeit und Gesetzmäßigkeit eines veränderten Gottesdienstes, wie die Veröffentlichung der dazu dienlichen Schriften, Gesangbücher, Gebetübersetzungen, Religionsbücher, Predigten u. dgl. schlossen sich ganz natürlich an das Bestreben um Umgestaltung des Gottesdienstes an. Nun aber war zum ersten Male die Literatur wieder selbstständig ausgetreten in ihrer Selbstgenügsamkeit, in der Befriedigung mit der in ihr sich beurkundenden geistigen Thätigkeit. Je ferner sie in dieser Gestalt den. gewöhnlichen Erscheinungen im Leben stand, umsoweniger war auch der Kampf, den sie erregte und den sie zu bestehen gehabt hätte. Aber ein anderes Hinderniß hatte sie zu ' überwinden, die Theilnahmlosigkeit. Den Vertretern der alten Anschauungsweise, denen Geist und Interesse für Wissenschaft fehlte, war sie ganz unzugänglich; erfuhren sie einmal von