Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 I. Die Aufgabe der Gegenwart. spräche, die an ihn zu machen sind, und über die Leistungen, die man von ihm zu erwarten habe. Nun war die alte Anschauungsweise gänzlich aus den Angeln gehoben -— und dennoch bestand sie noch in ihren Äußerungen) die neue Anschauungsweise war als Siegerin proclamirt —und dennoch trat sie noch keineswegs ausgeprägt auf. Und wie konnte sie auch? Nothwendig ist es zwar, daß der geweckte Geist/ den. Stoff bewältige-, veredle und sich 'zu eigen mache, aber schwieriger ist . fast diese Arbeit als die Weckung des Geistes, und doch manifestirtssich der Geist blos .durch den Stoff; unausbleiblich > ist es, daß das wahrhaft innerliche religiöse Leben, wenn es nur. erwacht ist, die Gesammtheit durchdringe und zu sich heranziehe, aber die träge Massiv welche in der Gewohnheit und dem Äußerlichen eingewurzelt ist, überwindend mit sich fortznreißen,' gelingt nur'der intensivsten Kraft, die zugleich schon eine hinlängliche Anzahl fähiger Organe gefunden, unw -doch konnte das religiöse Leben nur in seiner Anerkennung bei der Gesammtheit, als solches sich m.anisestiren.Oder konnte, die geistigere Auffassung des Judenthums vielleicht doch noch, in anderer Weise sich äußehn?. —- Zu.-einer solchen. Äußerung mußten allerdings noch andere. Umstände drängen, .Das geistige Band, welches die Gegenwart mit der Vergangenheit knüpfen sollte,, war gelöst, die Gegenwart. selbst hatte, viel Zersetzendes, aber nichts Umschlingendes, in ihr konnte man sich nicht befriedigt suhlen; führte, dies Biele dahin,, daß sie mitder -Vergangenheit ganz brachen, von dem Indenthume in der Gegenwart sich lossagtm, veranlaßte es Andre, sich in die Vergangenheit gewaltsam zurückzuziehen und in die ans derselben in die Gegenwart hereinrcigenden Elemente möglichst.zu versenken: so regte es die lebendigen Geisterund innigen Gemüther an, den Geist der Vergangenheit zu erforschen und das wahrhafte Begreifen -der Gegenwart zu erstreben, um so doch mindestens eine Verbindung mit dem Vorhandenen in sich zu erhalten. Stellte ja auch einerseits ein warmes religiöses Leben in den Erzeugniffen der Vergangenheit sich dar, wenn auch dieselben jetzt nicht mehr anerkannt werden konnten, und beruhigt sich ja andrerseits -der menschliche Geist erst dann Bei einer fremdartigen' Erscheinung, wenn er sich dieselbe erklärlich', begreiflich.. macht .und sie sich so näher bringt, obgleich er sie nicht sich mneignen kann. Die. Litze-