Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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l. Die Aufgabe der Gegenwart. 19 lauer Gemeinde gelang es,-ihr Beginnen durchzuführm, Und schon sind Frankfurt a/M. und Mainz im Begriffe, das gegebene Beispiel nachzuahmen. Somit ist selbst in den bedeutendsten alten Gemeinden, in deren Gesammtleben als religiöser Gemeinschaft das Bestehende natürlich festere Wurzeln hat, mögen auch die Einzeinen noch so sehr verschiedene Lebensregeln sich gebildet haben, und zwar selbst da, wo eine Förderung von-Seiten des Staates nicht eintritt, der Sieg der fortgeschrittenen oder vielmehr religiös neu belebten Anschauungsweise aufs Entschiedenste beurkundet. Ist nun auch andererseits die ältere -Richtung als eine aus der Vergangenheit noch vorhandene, wenn auch nicht mehr der Fortzeugung fähige, vertreten, so muß doch der lebensvolle Kampf im Innersten der religiösen Gesinnung in solcher Art nun permanent sein, daß eine Versumpfung und . das Versinken in Starrheit und Lauheit unmöglich wird, und es hängt von der charaktervollen festen religiösen Entschiedenheit der Gemeinde in ihren Vertretern ab, inwiefern die von ihr bereits thatsächlich ausgedrückte Gesinnung auch ferner zu Leben beurkundenden Thaten reifen werde. Thöricht wäre es, nunmehr lebenssatt und. müde vom zurückgelegten Wege nicht weiter vorwärts streben, sondern die ganze und angestrengte Aufmerksamkeit auf die versöhnende Annäherung des nun amtlich vertretenen Prinzips an die principlose Starrheit richten zu wollen; lebenssatt und wegesmüde sein ist das Zeichen des herannahenden letzten Stündleins. Mit der Anstellung eines zweiten Rabbiners ist blos eine Manifestation geschehen, blos der Wille zur vollen Aufnahme der lebendigen religiösen Anschauungsweise ausgesprochen und eine der wichtigsten Bedingungen dazu gegeben; die eigentliche That muß erst noch folgen. Das Versöhnnngsstreben, sobald es über Reinpersönliches hinausgeht, wäre weiter Nichts als ein Aufgeben des Princips und statt eines Fortschrittes ein Rückschritt; die wahre Versöhnung wird blos durch die allmälige geistige Bewältigung durch das Princip erwirkt, was jedoch freilich weniger Sache der Vorsteher oder einzelner Gemeindeglieder ist, als vielmehr der Wissenschaft, der fortschreitenden sittlich-religiösen Bildung wie der erweiterten verallgemeinerten Einsicht in Wesen und Gestalt deS Iudenthums. . Groß war der Umschwung durch die Umwandlung der Ansicht über die Stellung und den Berus des Rabbiners, über die An- ' 2»