Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 I. Die Aufgabe der Gegenwart. außer dem Thalmud und den Rabbinen noch andere Kenntnisse haben, und jedes Mal wurden die Einwände heftig wiederholt, daß das Thalmudstudium so umfassend, ein so „breithändiges Meer" fei, daß , unmöglich wer sich ihm widmen 'wolle, Zeit finden könne zu andern Beschäftigungen und umgekehrt wer diesen sich zuwende, jenes nicht umfassen könne, und dann wozu sollen einem Rabbiner solche unnütze Dinge? Der Thalmud enthält alle Weisheit, hingegen jemehr Sprach- und Realkenntnisse, umsoweniger Frömmigkeit. Von der innen: Notwendigkeit einer freieren, umfassenderen wissenschaftlichen Bildung zur Bekleidung des geistlichen Amtes konnte man sich nicht überzeugen, und höchstens gab man dem Unvermeidlichen nach und verzieh eine solche Überschreitung. Natürlich'nicht aller Orten, und zumal nicht Ln großen Gemeinden zeigte sich eine solche Nachgiebigkeit. Denn auch auf der andern Seite fand man die Stellung eines Rabbiners und zeitgemäße Bildung einander widersprechend) einem großen Theile der Fortgeschrittenen erschienen Rabbiner und ein unwissender Fanatiker als Begriffe, die sich decken, wie man nach Jndnction schloß) wie aber konnte man nun dessen Einflüsse entgegenwirken? Dazu glaubte man sich eines andern Mittels bedienen zu müssen) man wollte die mit dieser Stellung verbundene moralische Macht untergraben, und namentlich glaubte man dies zu erreichen, wenn man erledigte Stellen nicht mit Rabbinern von Ruf besetzte, sondern unbedeutendere Männer als Stellvertreter, Verwalter, Verweser fungiren ließ. Solche mochten die in der Gemeinde notwendigen Angelegenheiten versehen, weiter wollte man sie möglichst unbeachtet lassen, der. fortschreitenden Zeit überlassend, sie ganz entbehrlich zu machen. Allein wenn ein Strom schlammig wird, so nützt es nicht, ihn der austrocknenden Kraft der Sonne zu überlassen, da das lebendige Wasser dann ganz versickert, der Schlamm um so tiefer wird und umsomehr sich festsetzt) nur wenn man ihm eine frische Quelle zuführt, wird die kräftige Strömung den Schlamm besiegen. Und so auch mußte-es hier ergehn) die Männer,' welche blos das Verdienst hatten, in ihrer Art nicht so tüchtig zu sein, wie ihre Vorgänger, sonst aber gar nicht von ihnen abwichen, mußten einen noch lähmenderen, geisttötenderen Einfluß üben, und was die verringerte Macht betraf, so werden — nach dem Spruche