Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 I. Die 2tufgabe der Gegenwart. erregen, brüderliche Anerkennung findet; die Anhänger des Men sind nun froh, wenn sie von der eignen Person das Eingehn in diese. Änderungen abwehren können, den Andern gerne gestattend, für sich Anordnungen nach Belieben zu treffen. Ungarn, Böhmen, Belgien und Posen sind bereits mit in diese Bewegung hinemgerathen und werden immer mehr deren Schauplatz, in Gallizieu regt sich dieselbe, auch in England und Frankreich kommt sie zum Ausbruche, und in diesen Ländern bereiten sich, nach der eigentümlichen Art, wie öffentliche Angelegenheiten dort behandelt werden, Ereignisse vor, die von Wichtigkeit für die Gesammtentwickeluug sein können. Es war demnach nicht zu verwundern, wenn kürzlich bei neuer Besetzung, einer Predigerstelle in. dem Tempel in Hamburg drei Rabbiner aus drei verschiedenen deutschen Staaten die Bewerber um dieselbe waren, wie denn überhaupt dieses ehedem so angefeindete Institut, abgesehen davon, daß am Orte selbst Rivalitäten und persönliche-Berührung noch eine gegenseitige Entfremdung bedingen, zu einer ganz unschuldigen Erscheinung geworden ist. Nun war das innerste Zellgewebe des alten religiösen Organismus verletzt, wie hätte man da denselben in seinem vollen Zusammenhänge dennoch noch immer befestigen, nicht vielmehr den Versuch wagen sollen, denselben durch eine gmHliche Umgestaltung auch frisch zu beleben?' Befestigt hätte man aber nothwendig die alte Anschauungsweise, wenn man den Vertretern derselben, den Rabbinern damaligen Schlages, den früheren Einfluß gelassen, oder sie gar neu darein versetzt hätte; das wäre nichts Anderes gewesen, als seine Kräfte daran setzen, Blättchen und Ästchen äbzühanen, während man Wurzeln und Säften neue Nahrung zuführte. In dem geistlichen Haupte muß natürlich die religiöse Anschauungsweise tiefer einwohnen, und die Aeußerungen derselben, deren Vertreter es ist, halten esauch fester darin; dem Rumpfe aber konnte eine freiere Bewegung nicht gelingen, wenn der Kopf den Gedanken daran nicht ertragen mochte. Also in dieses Institut, welches das religiöse Leben in seiner geistigen Auffassung, in seiner gelehrten Durchbildung zu bewahren beauftragt / war, mußte man eindringen und versuchen, daß die Vertretung der Gesammtheit, welche in ihm lag, dem alten Principe möglichst ent-