Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 I. Die Aufgabe der Gegenwart. früher mit der jüdischen Bürger- und Realschule einen kurzen Gottesdienst verbunden, der, zunächst für die Zöglinge bestimmt, neben der Synagoge einherging und daher die Nothwendigkeit einer schärferen Trennung in den Hintergrund treten ließ. Nur noch in Leipzig liest sich sür die Meßzeit ein Tempel einrichten, umsomehr da diese in den meisten Jahren die wichtigsten Feste der Juden eiuschloß, und auch dieser Tempel entstand. — Allein damit war die Entwickelung nicht beendigt; im Gegentheile, jeweniger sie in einem Theile der Gemeinde sich selbstständig gestalten konnte, umsomehr warf sie sich auf die Gesammtheit. Gewissermaßen in der Mckte stehend, bildete Wien das Verhältnis aus. Dort wo keine jüdische Gemeinde anerkannt wird, von der großen Masse der dort sich aufhaltenden Juden nur ein geringer Theil,. und Marder durch Reichthum und daher auch ein gewisses Aufnehmer: der Zeitbitdung ausgezeichnete, auch gesetzlich seinen beständigen Wohnsitz dort einnehmen darf, sammelte sich dieser Theil zu einer ganz für sich bestehenden Gemeinde, gleichfalls mit -entsprechenderem Gottesdienste und Predigt, und 'tüchtige bei diesem Unternehmen rückwirkende Persönlichkeiten hoben dasselbe zu bedeutender Höhe, und die Einrichtung in der Residenz wirkte kräftig. -Aber überhaupt verbreitete sich das Streben in kleinen-wie .großen Gemeinden, dem Gottesdienste eine angemessenere Gestalt zu verleihen. Natürlich mußte mar: sich mit mehr vereinzelten Zugeständnissen begnügen, hier ward ein besonderer Prediger neben dem, welcher das Nabbinat versah, angestellt, dort Choratgesang eingeführt, hier an einigen später:: Gebetstückchen gerüttelt, dort das gröbste Mißbräuchliche aus der Synagoge geschafft; durch ganz Deutschland verbreitete sich nun dieses Streben, an vielen Orten fand es ohne das geringste Widerstreben seine Verwirklichung, am andern mit einigem Kampfe, überall aber ist es eine Tagesfrage, die sich nicht entfernen läßt. Gerade in großen Gemeinden, wo eine jede neue Einrichtung einen großartigen Umfang, das Bestehende festere Wurzeln und eine jede Anschauungsweise eine ansehnliche Anzahl von Vertretern hat, die zugleich mit geübterem Blicke die Eonseguenzen erfassen, war eine jede thatkräftige Aeußerung schwieriger, so daß noch in der Mitte des vorigen Jahrzehends Prag einen besondern Tempel erhielt, der aber, weit entfernt einen Sturm zu