Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 I. Äie Aufgabe der Gegenwart. kennt.man den Unterschied zwischen gesunder Kräftigkeit mit ihrem vollen mnern Gehalte und krankhaftem Fieber mit der eingehauchten Gluth, die gerade das mild warme innere Leben aufreiben will. Der Tempel in Hamburg befestigte sich auch und gewann einen zahlreichen und zwar den angesehenen Theil der Gemeinde für sich. Anders gestaltete es sich in Berlin. Was man da nicht durch die Ueberzengung erwirken konnte, erlangte man, nach kurzem Aufblühen des dortigen Tempels, durch die Verdächtigung dieses Unternehmens bei der Staatsbehörde, die, bisher mit dem Judenthume als solchem, mit dem Streben und den Bewegungen in ihm ganz unbekannt, sich leicht zu dem Gedanken verleiten lassen konnte, das regcnerirende Bestreben gehe nach gefährlichen „Neuerungen" aus, wahrend nach religiöser Seite die wahre Belebung und sittliche Veredlung, nach bürgerlicher die volle Identifieirung mit den Staatszwecken angestrebt wurde. Genug, der schon bestehende Tempel, in Berlin wurde geschlossen, der Versuch, einen solchen in Breslau zu eröffnen, wurde vereitelt. Die Frage, welchen Gang der Entwickelung die religiöse Bewegung der Juden in Deutschland genommen haben würde, wenn derselben nicht ein solches äußeres. Hemmnis entgegengetreten wäre, ist eitel und überflüssig, obgleich nicht zu leugnen ist, -daß die jüdischen Gemeinden Preußens dadurch eine Zeit lang in Jndifserentismus, Lauheit und Starrheit versunken sind. Aber darin bewährt sich gerade der wahrhaft lebendige Geist, daß er selbst den mächtigsten Gewalten gegenüber sich Bahn bricht, zumal da er, wenn ihm auch die Form nicht estn Zufälliges ist, doch verschiedene Arten der Erscheinung hat und das bestimmte Verbot blos eine gewisse Art trifft. —- Die Einrichtung eines modificirten Gottesdienstes mit einem besonder:: Gotteshause, den an ihm fungirendeu Beamten, namentlich einem Prediger konnte natürlich nur in einer großen Gemeinde ausgeführt werden, von der auch ein kleinerer Theil schon ansehnlich genug war, um eine Synagogengesellschaft zu bilden und Mittet genug hatte, um neben den Abgaben an die Gesammtgemeinde noch zugleich die neu hinzütreteuden Bedürfnisse zu bestreiten: Daher konnten Nachahmungen in kleineren Gemeinden, wie Karlsruhe und Heidelberg, keine- Dauer haben, und wie viele große Gemeinden außerhalb Preußens zählt Deutschland?. Frankfurt a/M. hatte gleichfalls schon