Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 I. Die Aufgabe der Gegenwart. reu die zweckmäßigsten Mittel der Erbauung: was sollte aber nun eine geläutertere Anschauungsweise mit diesen verschiedenen, früher in sich einigen Elementen machen? An ihre Stelle mußte die Freude über das religiöse Leben, zu welchem Gott durch das biblische Judenthum die Menschen und zunächst die Juden geführt, der feste Entschluß in demselben zu verharren, die Bitte um Unterstützung in fortschreitender Veredlung und um Wegräumung der dieser entgegenstehenden äußeren Hindernisse, das tiefe Gefühl menschlicher Höhe und menschlicher Niedrigkeit mit all' den großen Folgen, welche das Gemüth daraus zieht, treten, und da fand sich freslich, daß außer der ewigen Quelle erwecklicher Gebete und Gesänge, den Psalmen, wenig Altes mehr brauchbar war. Nun hatte zwar das bestimmte Gesetz gerade in Beziehung auf den Gottesdienst, als mit dem Gemüthe und dessen verschiedener Beschaffenheit ganz innig verknüpft, einen etwas weitern Spielraum gelassen als bei der Uebung anderer Gebote, ja es hatte sogar, in seiner älteren reineren Gestalt verbleibend, mit der bestehenden üblichen Form sich nicht einverstanden erklärt, es hatte bei der Sprache ausdrücklich die Verständlichkeit verlangt und hatte an vielen später aufgenommenen Gebeten, außer andern dagegen erhobenen Bedenklichkeiten, auch den Inhalt zu tadeln, und so hatten in der Thal viele ältere Gesetzlehrer ihre Rügen nicht zurückgehalten über alle die Punkte, in welchen mau von dem Gesetze abgewichen war. Allein das Gebet ist gerade der innigste und unmittelbarste Ausdruck der vorhandenen religiösen Anschauungsweise, und sie, selbst dem Gesetze gegenüber verkümmert, ließ sich von diesem nicht berichtigen, sondern suchte vielmehr, es zu meistern; erst eine vollständige Änderung in ihr vermochte auch eine neue Umwandlung des Gottesdienstes zu erzeugen. .Eine solche war nun in dem gebildeten Theile der Juden eingetreten, eine Änderung, die aber nothwendig nicht blos die Art der öffentlichen Gottesverehrung, sondern das ganze religiöse Leben mit in den Strudel zog, und hätte man die neue Anschauungsweise völlig ausdrücken wollen, so war ein gänzlich neues, an sich ältestes, Bekenntniß des biblischen Juden LH ums nöthig. Allein theils hatte man dazu nicht den Muth, theils mochte man sich von der Gesammtheit, deren Gesammtleben zu erfrischen man nicht aufgeben mochte, nicht