Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 I. Die Aufgabe der Gegenwart.. gen würden, - dem eigenen Gefühle zuwider, für die Stellung,- welche man im gesellschaftlichen Leben einnehmen wollte, störend. Was die Energie des religiösen Lebens, wie es in seiner Reinheit' -Befriedigung will, noch nicht allein vermocht hätte, das erwirkten die damit verbundenen äußern Rücksichten. Da zeigte sich nun besonders die Unangemessenheit des öffentlichen Gottesdienstes und der religiösen Weihen, mit welchen wichtige Familienereignisse gehoben werden sollen, Einführung der jungen Leute ins selbstständige Leben, Verheiratung, Leichenbegängnis u. s. w. Wie konnte man bei allgemeiner Bildung und bei dem Anschlüsse an die andern Bewohner des Staates selbst mit der äußern Form sich befriedigen, die allem Anstande Hohn sprach, und die blys ein treuer Abdruck war des Zerrbildes, welches die älteren jüdischen Verhältnisse im Allgemeinen darstellten? Auch die dabei herrschenden Symbole hatten ihre Kraft verloren, und Sprache und Inhalt der Gebete standen nicht mehr im Leben. Sich , der hebräischen Sprache, die Vielen unverständlich, zu bedienen, und nicht der vaterländischen, die aus «den Tiefen des Gemüths erklingt, erschien dem Zwecke des Gebetes zuwider, aber auch zugleich in Widerspruch mit dem festen Einleben in den Staat und dessen höchstes, geistiges, eigentümlichstes Gut, seine Sprache und Literatur; kam noch dazu das Bestreben, den Mitbürgern, welche ohnedies alte Vorurtheile genug noch gegen die Juden hegten, immer mehr auch in religiösen Dingen sich anzunähern, so mußte das Verlangen nach einem deutscher: Gottesdienste sich immer stärker aufdringen. Aber nicht blos Form und Sprache des Gottesdienstes, auch dessen Inhalt konnte nicht mehr befriedigen; dem älteren Glaubensbewußtsein entströmten Ergüsse der Freude und des naiven Stolzes über das Verhältnis, welches der Jude zu Gott einnehme, Aeußerungen der heißesten Sehnsucht nach dem uralten Zustande der Inder: mit allen damit verbundenen religiösen Gebräuchen, schmerzliche Klagetöne über die nur: geschwundene Herrlichkeit, blutige Seufzer über den harten Druck des Mittelalters, denen sich Ausbrüche eines bald wilderen, bald gemilderteren ^Hasses gegen die Dränger natürlich anreihten; dem ungebildeter: Sinne war ferner die ganz vermenschlichende Darstellung Gottes und seines Haushalts irrt Gebete entsprechend, und Legenden und Sagen wa-