Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 I. Die Ztufgabe der Gegenwart. zu scharf trennen, Hells hielt inan in Rücksicht auf äußere Verhältnisse auch blos das grell äußerlich Hervortretende im Auge und man war nicht religiös lebendig genug, um einzusehen, das? irgend ein und grade der unmittelbarste Allsdruck des religiösen Gefühls mit Lehre und Leben im vollsten Einklänge stehn milfse, und daher ein unumwundener Ausspruch der Lehre und Lebenspflichten nicht ausbleiben dürfe, und endlich war man auch besorgt über die Stellung, welche der Staat einem solchen weitgreifenden Beginnen gegenüber einnehmen werde. So glaubte man auf den Gottesdienst sich beschränken und auch in diesem soviel wie möglich der noch vorhandenen Anschauungsweise, mindestens dem bestehenden Gesetze sich anschließen zu müssen. Die Einführung einer allständigen Form, der deutschen Sprache wenigstens für den größeren Th eil des Gottesdienstes, Abkürzung der vorhandenen Gebete mit Hinzunahme einiger neuen, Gesang mit Orgelbegleitung, das waren die Elemente, welche "ein kleines Fähnlein wackrer Streiter für sich erobern wollte. Nicht von der ganzen Gemeinde sich trennen wollten sie, sondern ihr nach wie vor angehören, aber doch ihres eignen Gottesdienstes sich erfreuend, nicht von dem Gesetze derselben sich lossagm, sondern in diesem selbst die Rechtmäßigkeit ihres Verlangens Nachweisen. Ist nun in diesem ganzen Verfahren Halbheit nicht zu verkennen, so wehte doch Leben darin, nur theitweise zurückgedrängt, das geistige und religiöse Leben, wie es damals Hervorbrechen konnte und mußte, das Leben, wie es nur allmälig sich hervorarbeitet, aber auch siegend weiterschreitet. Thöricht wäre die Klugheit gewesen, welche dem pülsirendeu Leben das ruhige Verharren hätte gebieten wollen, bis es alle Adern , der Gesauuntheit durchströmt habe, um dann gleichmäßig aller Orten auf den, öffentlichen Markt zu treten) wo es im Innern kräftig sich bewegt, da muß es auch äußerlich sich zeigen, mögen auch noch Viele todesstarr und schlaftrunken sich nicht ermuntern lassen) zur weitern Auffrischung und Belebung bedarf es auch des wahrnehmbaren Lebenszeichens, der greifbaren That, die zur Beurtheilung und zur Bekämpfung auffordert, zur Nachahmung reizt. — So entstand „die deutsche Synagoge", „der Tempel", wie man diesen Versuch nannte. Berlin und Hamburg waren die Gemeinden, in denen diese,s neue-Lebenselement sich zeigte, und zwar äußerlich hervor-