Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 I. Die Aufgabe der Gegenwart. anschanung, welche diesen Versuchen mit ihren Wirkungen inwohnte. Dabei waren einzelne Erleichterungen, welche angestrebt und gewährt wurden, doch immer zu allen Zeiten und unter der ausschließendsten Absonderung ebensodiele Wünsche gewesen, und so verbarg sich unter den vereinzelten Thatsachen, die froh anzunehmen waren,' das nun von der früheren Zeit ganz verschiedene Prineip, wonach nicht, wie ehedem, die geduldeten, eine ganz für sich bestehende Einwohnerklasse bildenden Inden einen weitern Spielraum für ihre - Interessen finden, sondern die Juden nicht mehr geduldet und nicht mehr für sich bestehend, vielmehr ganz oder allmälig in den Staat aufgehn und deshalb auch aller Wohlthaten wie aller Lasten des Staates Lheilhaft sein sollten. Brachen daher nun die Vertreter der alten Richtung bei diesen Bestrebungen nicht in einen lauten Schrei des Unwillens aus, so verhielten sie sich, wie gesagt, doch jedenfalls thritnahmlos, und auch die bald darauf sich zeigenden bedauerlichen Rückschritte, welche den Juden wieder alle oder einige erworbene Rechte zu entziehen drohten und wirklich entzogen, berührten sie nicht. Hatten sie ja selbst bei Einzelnem, das sie schmerzlich vermißten, blos ein Schicksal zu bedauern, das sich, ihren Begriffen nach, schon oft früher seit dem Erile zeigte und sich auch später noch bis zur einstigen Erlösung zeigen werde) denn ein Prineip erkannten sie nicht, für ein solches hatten sie nicht zu streiten, sie würden es im Gegentheile, hätten sie es erkannt, bekämpft haben. Im dritten Jahrzehend wirkte jedoch die immer weiter gehende Umwandlung in der Vetrachjungsweise stille fort, und als mit dem Beginne des vierten Jahrzehends neu verjüngt und mit aller Klarheit das Streben von Seiten der Juden hervortrat, an dem Staatsleben vollen Antheil zu nehmen, da zeigte es sich, daß das Interesse an diesem Gegenstände nun ein ganz allgemeines geworden war) nur die Verschiedenheit der Bildungsgrade, die auch Abstufungen in der Betheiligung an höhern ideellen Fragen veranlaßt, war noch vorhanden wie überall, aber die Folgen der alten Anschauungsweise waren geschwunden. —.So war denn wieder ein mächtiger Ring aus der Kette gebrochen und eine fühlbare Lücke entstanden. Das speeiell religiöse Leben war zwar noch nicht berührt', humane Bildung und erweiterte Stellung im Leben verletzten allerdings nicht den innern Kern der Religion, im Gegen-