Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Aufgabe der Gegenwart
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929043-2932041--2636-2932068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
l. Die Aufgabe der Gegenwart. 5 auch deren Arbeit erfordert wurde/damit die Juden auf diesen Standpunkt gelaugten, zeigte sich bald auch, wie auf der andern Seite von den Stammhaltern und Vertretern der alten Anschauungsweife dieses Ereigniß nicht als ein glückliches mit Jubel begrüßt, sondern im Gegentheile abgewehrt wurde. Bedeutsamer tritt aber seit den: zweiten Jahrzehnde unseres Jahrhunderts hervor, wie die innere Entwickelung sich an die äußere Stellung der Juden anlehnt, wie allmälig den Juden ihr gänzliches Aufgehn in den Staat in bürgerlich-geselliger Beziehung allgemein gefühlte Nothwendigkeit wird und Gegenstand der lebhaftesten Sehnsucht, im schneidendsten Gegensätze zu der nach der altjüdischm Anschauungsweise nothwendigen Absonderung. Seit dem Anfänge des zweiten Zehends unsees Jahrhunderts nämlich nahm dieLrage über die Stellung der Juden im Staate innerhalb der deutschen Staaten mit immer größerer Lebendigkeit die Gemüther in Anspruch z bald zurückgewiesen., bald in den Hintergrund tretend, brach sie dann mit erneuter Kraft hervor. Die Erfolge/ welche in diesem Jahrzehend sich ergaben, verdankte man freilich den damals herrschenden Ideen, aber daß sie auch auf die Juden angewmdet wurden, war eine Folge der Anstrengungen, welche die von der Zeit ergriffenen Individuen unter den Juden machten. Dte Gesammtheit verhielt sich damals gegen dieselben theiluahmlos, ja sogar die Vertreter der alten Anschauungsweise betrachteten ganz conseguent diesen festen: Anschluß der Juden an dm Staat als ein herbes Mißgeschick, und eiferten sie nicht dagegen, was sie nicht wagten, so erschienen ihnen doch diejenigen, welche mitgewirkt zu diesem großen Ereignisse, als schlechte Inden, die das Band lockern möchten, und vermochten sie Einzelnes abzuweüdm, wie noch später in Posen — zum großen Nachtheile der ganzen dortigen Verhältnisse — in Beziehung auf den Kriegsdienst der Juden geschah, so glaubten sie ein gottgefälliges Werk damit zu verrichten. Übrigens war bei dieser Frage ihre Kraft eine gebrochene, und es konnte kein Zusammenwirken Statt finden^ die Angelegenheiten des einen Staates waren verschieden von denen des andern, und nicht zu gleicher Zeit traten die.Versuche, die Stellung der Juden zu verbessern, hervor, und so übersahen sie den engen Zusammenhang der Gesammtheit bei diesem Gegenstände und den großen Einfluß auf die Gestimmt-