Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Zeitschriften
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929036-2929040-2931838--2610-2932012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nachrichten. 4SS Aufmerksamkeit auf die bürgerliche Stellung im Staate, und die Wahrnehmungen des geselligen Lebens gehören gleichfalls hierher; das GewerbSleben und allgemeine Schuleinrichtungen, als meistens durchgedrungen , aber doch noch an vielen Orten, besonders auch außerhalb Deutschlands, Ln ihrer Kindheit, sprechen dann das Interesse au. Die Gegenstände, welche Ln diesen Kreis fallen, betreffen allgemeine Verhältnisse, welche die Geschichte bei den Juden eigentümlich modistcirt hat, und ein treuer Bericht, wie nun an einzelnen Orten und Ln einzelnen Gegenden sich diese Verhältnisse gestaltet haben, in welcher Fortgestaltung sie begriffen sind, welchen .Hoffnungen man sich dafür hingeben darf, gehört notwendig in diese Zeitung. Aber Alles, was blos den einzelnen Juden als Menschen betrifft, und gar nicht mit seiner konfessionellen Stellung und der Geschichte in Verbindung steht, darf hier keine Aufnahme finden. Daß z. B. Meperbeer und Halevy und so viele Andere in der Composition Großes leisten, dazu befähigt sie, noch verhindert daran ihre Stellung als Juden, und wir sind darüber hinaus, ein besonderes jüdisches Interesse daran zu knüpfen; Rachel'S Kunstgewandtheit in der schauspielerischen Darstellung der Personen aus den klassischen Tragödien Frankreichs, Rothschilds Finanzmacht u. dgl. gehen nicht auS der besondern Gestaltung allgemein jüdischer Verhältnisse hervor und wirken nicht auf sie zurück. Wird Alles, was davon Ln Blättern berichtet wird, welche gonz andere Zwecke verfolgen, auH hier ausgenommen : so macht dies die ganze Stellung der Zeitung zu einer schiefen, gibt einen ganz irrigen Begriff von den Interessen der Juden, ein Vorwurf, der übrigens schon anderSwo ausgesprochen worden ist. Eng damit zusammenhängend ist ferner der Anspruch, daß sie in der Mitteilung der literarischen Erzeugnisse vollständiger se», jedoch blos kurze Anzeigen darüber liefern; hingegen können die eigenen Erzeugnisse der Belletristik und Homiletik ganz wegfallen. — Ich wünsche der Zeitung weniger Acngstlichkcit. Ich verarge ihr keineswegs die Vorsicht, mit welcher sie bestehende Verhältnisse bespricht, sie ist ein Ausdruck des gegenwärtig Vorhandenen; aber sie hat auch das gegenwärtig sich Regende auszudrücken, und da darf sie auch wieder nicht mit dem streng konservativen Lhcile der Gegenwart coquettiren und sich dadurch um so weniger verleiten lassen,'von minder konservativen Bestrebungen und Persönlichkeiten einseitig zu urtheiien. — Der wichtigste Wunsch aber ist, daß sie in dem Bestreben unermüdet sei, sich einsichtsvolle Correspondenten von allen Orten her zu verschaffen, was freilich keine geringe Aufgabe ist; sie mögen ebensowenig Klatscher wie einseitige, befangene Menschen zu Berichterstattern haben, ebensowenig solche, dse sich breit machen mit den kleinsten Vorgängen ihres Ortes, wie andere, welche entstellen aus persönliche» Zwecken. Diesem, wenn auch gerechten, Begehren zu entsprechen, ist Ln unserer gespaltenen Zeit nicht leicht; namentlich sehe ich den Südwesten Deutschlands bis jetzt noch sehr unvollständig und einseitig