Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Noch ein Wort über das Haartragen der Frauen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 4)
- Language
- German
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S36 II. Noch ein Wort Zeloten und Heuchler ist noch vor wenigen Jahren — wer sollt« eS glauben? — in einer Kreisstadt Böhmens veranlaßt worden durch die Weigerung einiger jungen Frauen, sich bei ihrer Verehelichung daö Haar abschneiden zu lassen. Daraus erhellt wohl zur Genüge, wie sehr wir uns in Acht nehmen müssen», alte Gebräuche, die ursprünglich mit der Religion gar nichts zu schaffen hatten, weil sie sich zufällig länger in der Judenheit erhalten haben, dem Judenthume zu vindiciren und sie uns als symbolische (als neue Nahrung der Undulo« samkeit und Derketzerungssucht) aufdringen zu lassen, und aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, erscheint »nö der zuletzt erwähnte Gegenstand wichtig genug, um ihn noch einmal zu berühren, und die Aufmerksamkeit des Publicums auf ihn zu lenken. Durch diese Einleitung haben wir zugleich angegeben, wozu und für wen wir eigentlich schreiben über Gegenstände, di«, wie Andere meinen, sich von selbst geben und ohne unser Zuthun allmälig aus dem Leben schwinden. Wir wissen nur zu gut, daß die erstarrten GewohnheitSmänner nicht zu überzeugen sind, weil sie nicht die Wahrheit suchen, die sie vielmehr als ihre ärgste Feindin scheuen; und wenn Andere, die einer vernünftigen Belehrung noch zugänglich sind, sich durch unser« Worte bewogen finden sollten, von einem Brauche, den sie irrigerweise für einen religiöse» gehalten, zu lassen, so werden wir «S für keinen wesentlichen Gewinn ansehen; aber für einen großen Gewinn werden wir es halten, wenn wir im Stande sind, den gemäßigten Formgläubigen die Ueberzeugung beizubringen, daß man aus Gründen veraltete Gewohnheiten aufgeben kann, ohne leichtsinnig, ohne irreligiös zu sein und sie gegen die vorgeblichen geworftn. Diese Dame hat auch die Synagoge nicht mehr besucht, und ist so.mit ihrer Familie dem Judenthume ganz entfremdet worden. Erst vor einigen Jahren hat ein Rabbiner im Obcrdonaukreisc BaiernS einer Frau, die auf den Wunsch ihres Mannes ihr Haar nicht ganz unter der Haube verbarg, die Synagoge verboten.