Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 332 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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332 I. Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen. sein« kühnen Hoffnungen verschließen und den trunkenen Blick in stiller Einsamkeit auf die Zukunft richten, da mag er sich mit den Andern vermischen in schlichter Hülle, unter der sie den kräftigeren Geist nicht ahnen; aber in der Zeit der Bewegung, wo die Gegenstände alle zur Sprache gekommen, . da giebt eö für den Mann des praktischen Lebens bloß den Weg der Vermittelung» mit Besonnenheit zu bessern, zu beschwichtigen. Wer wollte ihm vorschreiben, was und wie er zu thun habe, bei der Zerrissenheit, der Verhältnisse, bei den sich durchkreuzenden Anforderungen der Lage und der Menschen? Glücklich, wenn er sich klar bleibt über seine Stellung, glücklich, wenn er sich nach keiner Seite hin täuscht, glücklich, wenn er nicht ganz unredlich wird, wenn er nicht ganz die Fruchtbarkeit, welche auch in gegebenen Verhältnissen liegt, verkennt, wenn er das Ziel nicht vergißt und den Boden nicht verliert. So hat denn jede von diesen beiden Berufsarten ihre große Aufgabe, jede ihre Freuden und Leiden, ich meine nicht die äußern, sondern die innern. Und wer nun mit jugendlich begeistertem Muthe beide zu einen so kühn ist, wer nun noch dem Schmerze, welchen der Kampf gegen Liebgewordenes, daö Bewußtsein erst zu zerstören, ehe er freundlich herzustellen vermag, in ihm aufregt — den er als Schriftsteller übernimmt —, dem Schmerze, welchen das Bezwingen seiner liebsten Wünsche, daö Tasten und Verschweigen, die Einsicht, so in weite Ferne das Ziel entrückt zu sehen, ihm verursacht — was ja das LooS des Rabbiners ist —: wer nun noch hinzufügt den Schmerz, sich beständig in seinem zweiartigen Auftreten und Wirken in innern Widerspruch zu setzen, sich von keinem Standpunkte gänzlich durchdringen zu lassen, sich die schwere Aufgabe auferlegt, nun von dem einen, nun von dem andern Gesichtspunkte auözugehen-, dem glaubet wenigstens, daß er die Verschiedenheit der beiden Standpunkte erkennt, aber