Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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331 Der Schriftsteller und der Rabbiner. verblendet sein, wenn er gerade diese Personen nicht berücksichtigen wollte; er kann sich die Hindernisse, welche viele Formen dem geselligen und gewerblichen Leben und hiedurch auch den humanen und Lcht religiösen Ansichten in den Weg legen, nicht verbergen, und diese wegzuräumen, ist seine Pflicht. ES liegt gewiß etwas Großartiges in der Selbstbeschränkung, in der Bezähmung seiner Kräfte, welche immer auszubrechen drohen, in der Einfriedung in das Gehege kleinlicher Verhältnisse, und wir müssen diese Herrschaft über die geistigen liebsten Wünsche achten. Es ist ein Kleines, sich Genüsse zu versagen, kümmerlich zu leben; aber den Hochgenuß sich zu entziehen, mit Kühnheit seiner Idee zu folgen, um sich anschmiegend in immer neuen Versuchen ihr ein Plätzchen zu bereiten, die lohnende Hoffnung einer Anerkennung in weiteren Kreisen bei der Nachwelt aufzugeben, um in dem engeren um so sicherer wirken zu können, ist ein Großes. Es ist verhältnißmäßig selbst ein Kleineres, seiner Ueberzeugung zu Liebe sich losznreißen von gewohnten Verhältnissen und am Ende seine zeitliche Wohlfahrt, sein Leben hinzugcbcn; es ist ein Größeres, diese Ueberzeugung, ohne sie zu verleugnen, zurückzuhalten ans Wohlwollen, aus dem Wunsche, in leiserem, bedächtigerem Schritte seinen Brüdern wohlthätiger zu sein; es ist «kn Größeres, den eigenen inner» Frieden zu gefährden, um den Fortschritt der Mit. Menschen um so mehr zu sichern, seine tiefsten Regungen und Bestrebungen ein ganzes Leben hindurch ruhig lächelnd mit Nadelspitzen verwunden zu lassen. Wie ich es verehre, dieses Ideal mit seinem seligen, verklärten Schmerze! Aber dieses ' Ideal kann sich der jetzige Rabbiner nicht mehr verführe»; wohin unsere Verhältnisie gediehen sind, in diesem Zustande ist eö sogar nicht mehr Ideal. In Zeiten, wo völlige Unschuld, naive Anhänglichkeit an dem Ererbten mit seinen Vorzügen und Mängeln in der Gesammtheit lebt, da mag der Einzelne mit höherem Bewußtsein und höherem Willen