Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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329 Der Schriftsteller und der Rabbiner. Aber dies ist Alles bei dem Rabbiner anders. Er und seine Ansichten bilden dem Kreise gegenüber, in welchem er auftritt, ein Einziges und Zusammenhängendes, und sein Einfluß gründet sich vornehmlich ans das Zutrauen, welches man zu beiden hegt; sein Wort soll wirken, als aus seinem Munde kommend. Er steht auch nicht auf der großen Kampfbahn, wo die Parteien sich scharen und dem Streite ihrer Häupter zuschen; er lebt mit Wenigen zusammen, deren Kräfte er Zusammenhalten muß, wenn irgend ein guter Zweck erreicht werden soll. Er hat nicht die Hervorragenden vor sich, er hat oft bloß schlichte Leute, die wohl auch mir fortgetrieben werden von den Richtungen der Zeit, aber nicht mit der vollen Selbstständigkeit; mit ihnen muß er säuberlich umgehen, sie nicht verwirren. Er ist ein treuer Verwalter, der da einsieht, daß er nicht alle Mängel in seinem Fache abstcllen kann, nach den Verhältnissen sich richtet, Grundlagen zu legen und mögliche Verbesserungen zu machen bemüht ist, und das Weitere auf geänderte Verhältnisse »erspart oder — seinem Nachfolger überläßt. Was nützte ihm auch, Dinge zu unternehmen, welche er nicht durchzusühren vermöchte, oder, wenn ihm die Gewalt zur Seite stünde — ein immer sehr bedenkliches Mittel —, welche den beabsichtigten Zweck nicht herbeiführten? Ein Mann des Friedens, muß er den Streit entweder ganz vermeiden, oder ihn doch nicht heftig werden lassen. Er hat so viele schöne, friedliche, tief einwirkende Verrichtungen zu versehen, er kann so zweckmäßige und wvhlthätige Einrichtungen treffen, welche von aller Parteiansicht unberührt bleiben, daß er sich nicht diese Möglichkeit versperren darf. Im Allgemeinen läßt sich nun die Verschiedenheit der beiden Standpuncte dahin bestimmen. Der jüdische Schriftsteller, die Idee mit ihren Eonsequenzen, die Totalität der Verhältnisse mit ihren unabweisbaren Folgen, und die jüdische Gesammthcit vor Ange habend, verlangt die Herrschaft der