Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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Der Schriftsteller und der Rabbiner. 32L sondern er muß sie auch, falls er dem übernommenen Berufe Nachkommen will, mit lebendiger, eindringlicher Sprache unter denjenigen, die sie angeht, zu verbreiten suchen. Denn darin besieht eben die unendliche Kraft des Geistes, die ewig neu sich erzeugende Verjüngung der Menschheit, daß der gefühlte Widerspruch sich vernichtet, daß, sobald das Vorhandene als veraltet erkannt wird, neue Schöpfungen, frisch, in kräftiger Fülle hervortreten, daö Veraltete entfernen. Freilich werden dies« erst nach innerem Kampfe ins Leben treten und Bestand gewinnen; freilich wird zuerst die 'Unbehaglichkeit des Widerspruches sich unangenehm fühlbar machen; freilich werden Diele denselben erst lange bekämpfen, ehe sie sich zum Eingeständnisse getrieben fühlen. Andere denselben bei Seite schieben, und es könnte der Erfolg des Schriftstellers für die Gegenwart bezweifelt werden. Allein gerade weil seine Wirksamkeit ihr Ziel erreicht hat, sobald die Ucberzeugnng eine allgemeine und eine tief empfundene geworden ist, so kann unmöglich der Erfolg sich sogleich Herausstellen, und sollte auch erst lange, nachdem er kampfeömüde das Haupt zur Ruhe gelegt, das Auge geschlossen hat, sein, dann wohl vergessenes Streben seine Früchte tragen, so war doch gewiß dieses kein vergebliches. Daß er sich etwa begnügt mit der Nachwcisung, daß Umwandlung, kräftige Umgestaltung Noth thue, und nicht zugleich angiebt, wie die neue Gestalt beschaffen sei vom Kopfe bis zur Fußsohle, und nicht zugleich alle Wege und Mittel anzekgt, wie man zur Gewinnung dieses goldenen Vließeö gelange: ich dächte, dies liege in seinem Zutrauen zur Gesammtkraft und in dem gerechten^ Mißtrauen gegen seinx einzelne Einsicht. Die Gesammtheit ist niemals stets verneinend, sie schafft und gründet aus sich heraus und wirft das Untaugliche ab, nach ihrer gewonnenen Erkenntnis;, und man darf diesem genialen Triebe schon etwas Ordentliches Zutrauen. Dadurch nimmt nun wohl der Schriftsteller den Anschein an, als wisse er nur zu tadeln und seinen