Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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224 I. Die zwei verschiedenen Betrachtungsweise». der in sofern thätig mit «ingreift in die Förderung seines Kreises, als er den Standpunkt, welchen die einzeln« von ihm behandelte DiSciplin gegenwärtig einnimmt, und, falls sie io Harmonie treten will mit der ganzen Bildungs- und Erkenntnißstufe» einnehmen muß, mit Klarheit nachweiset. Der jüdisch-theologische Schriftsteller hat jetzt die mühevolle, ihm selbst häufig schmerzliche und nicht selten verkannte Aufgabe, die Gegenwart und deren Ideen in ihrer vollen Einheit erfassend und die Stellung des JudenthumS zu derselben betrachtend, ohne Hehl zu gestehen und es auch Andern klar zu machen, daß daö Judenthum von seinem gediegenen ewigen Kerne aus sich durch die Ungunst der Zeiten einseitig ausgebildet habe, daß das Uebergewicht, welches di« äußere religiöse Uebung erlangt und welches meist durch di« zurückgedrängte Ausbildung anderer geistiger Fähigkeiten errungen wurde, der Religion selbst, der freien innern Durchdringung von den höheren jüdischen Ideen geschadet habe, daß daher nun, da eine weitere umfassendere Bildung eindringt, diese freilich auch der religiösen Idee, wie sie in der That dem Judenthume ursprünglich inwvhnt, zu Gute kömmt und sie wieder zu ihrer echten Reinheit zu fuhren geeignet ist, aber eben so sehr den einzelnen Anschauungen und Formen, welche sich gebildet haben. schneidend entgegentritt. Er muß es unumwunden bekennen, daß die Judenheit als solche eine für sich selbst bedenkliche Stellung einnimmt, daß sie durch daü innere Leben, welches sie in ihrer früheren Getrenntheit entwickelt und von dem sie sich erfüllt hat, nicht zu der vollen Harmonie mit den außerhalb ihrer befindlichen Kreisen gelangen kann, und daß sie daher, ohne ihre Eigenthümlichkeit auszugeben, die Einseitigkeiten fahren lassen müsse, um friedlich ein Glied in dem menschheitlichen Organismus sein zu können. Diese Ueberzeugnng, welche bei einem unbefangenen umfassenden Blicke auf die Gegenwart in allen ihren Theilen sich ergiebt, muß der Schriftsteller nicht bloß bekennen,