Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Der Schriftsteller und der Rabbiner. Gehen wir jedoch noch einen Schritt weiter, und fassen wir zugleich daö Auseinandergehen in zwei andere Richtungen auf, welche uns hier vorzüglich beschäftigen sollen. ES kann eine Seite des menschlichen Lebens sich auf eine eigenthümliche, unabhängige, überwiegende und daher einseitige Weise entwickelt haben, und sobald dann die Zeit eintritt, wo auch die andern Seiten das früher Versäumte nachholen, muß ein Zwiespalt in der Bildung erfolgen, der für beide Theile störend ist und ein unheimliches Gefühl erzeugt; eS kann ferner ein Theil der menschlichen Gesellschaft lange, durch äußere Umstände dahingebracht, seinen eigenen Weg eingeschlagen haben und auf einem gewissen Punct angelangt, mit einem Male in seiner Abschließung gestört, in den gemeinsamen Gang hincingerissen werden, welche Umwandlung der Verhältnisse wiederum Widersprüche entstehen läßt, die die bisherige inner« Harmonie stören. Solche in di« Geschichte eintretcnde Moment« lassen sich nicht herauüwerfen, sie machen «ine andere Entwickelung nöthig. Während daü einzelne Institut und die einzelne Gesellschaft früher in unbewußter Weise sich fortbewegt haben und ihrer Veränderungen nicht, inne geworden sind, ist mit dem Widerspruche das Bewußtsein sowohl von dem innerhalb Bestehenden als von den — im engeren Sinne — äußern sich gegenüber stellenden Anforderungen eingetreten. Die höhere geschichtliche Betrachtungsweise kann nun nicht mehr ihren Blick auf die einzelne Lebensbildung und auf den kleinen Kreis, in welchem sich diese Thatsache offenbart, beschränken; sie muß den vorhandenen Widerspruch im Großen und Ganzen anerkennen und durch diese Anerkennung zu seiner Aufhebung vorbereiten. Hier ist eö nun eigentlich, wo im Judenthume der Schriftsteller und der Rabbiner, nach ihrer verschiedenen Wirksamkeit, sich trennen. Der Schriftsteller ist mir hftr der Priester der wahren Wissenschaft, der die Geheimnisse des gesummten JdeenzusammenhangeS in der Zeit enthüllt,