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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 3 · p. Seite 322

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 3
Article
Die zwei verschiedenen Betrachtungsweisen
Date
1839-01-01
Page
Seite 322 (sequence 2)
Language
German
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322 I. Die zwei verschiedenen Betrachtnngsweisen. höheres oder geringeres Alter, als ein integrirendeS Moment' der religiösen Anschauung volle Anerkennung fordern dürfe. Schon von diesen zwei ganz allgemeinen und sich ergänzenden Seiten dieser Betrachtungsweise wird je eine stärker hervor- < gehoben werden nach dem verschiedenen Zwecke, welchen der Forscher vor Angen hat. Der ruhige, sich der Theiluahme an der Gegenwart und deren Interessen für den Augenblick gewissermaßen entschlagende Historiker versetzt sich in der entwickelnden Darstellung der einzelnen religiösen Ideen, Formen und Satzungen völlig in die verschiedenen Zeiten und sncht den Zusammenhang des Einzelnen mit dem Ganzen zu jeder Zeit zu finden und nachznwcisen, sowie die allmälige Umwandlung nach ihren Ursachen zu erklären. Demjenigen hingegen, welcher über daS Bild der tobten Vergangenheit, das er sich zurückznrufen versteht, daS Leben der Gegenwart, über das bereits Entwickelte die fernere Entwickelung nicht vergißt, in der Geschichte ganz besonders die Lösung für diese finden will, die Antwort für die Frage sucht, wieviel der Gegenwart von ihrem Besitze nicht bloß äußerlich überkommen ist, sondern auch innerlich angehört — ihm kann es nickt genügen, die Zeiten nnd die Zeit zu verstehen, er wird auch mit sehnsüchtigem Blicke in der Zukunft lesen und den Weg ebnen wollen, damit diese in der geziemenden Weise sich bewegen könne. Es giebt ein inniges Verlangen, welches der theilnehmende Historiker nicht vornehm abzuweisen braucht; bei aller Ruhe und Nüchternheit, bei aller Klarheit deö Blickes für vergangene Zustände, bei aller Achtung für die eigenthümlkchen Erzeugnisse einer entschwundenen Zeit, welche er sich'anzueignen verpflichtet ist, darf er, vielleicht auch soll er, als ein Sohn der Zeit, die doch wahrlich auch innerhalb der Geschichte liegt und nunmehr deren lebendigstes Glied ist, die Interessen der Gegenwart lebhaft vertreten, deren Bestrebungen mit Eifer fördern und auf die rechte Bahn unablässig Hinweisen.

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