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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 2 · p. Seite 317

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 2
Article
Joseph Perl und die Schule zu Tarnopol
Date
1839-01-01
Page
Seite 317 (sequence 6)
Language
German
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Nachrichten. 317 und Auszeichnungen aller Art fehlen zu lassen/ um ihre höchste Zufriedenheit mit den Leistungen der Schule an den Tag zu legen. So wie aber die Früchte dieser Anstalt immer schöner und lieblicher aus ihren Knospen hervorzubrechen/ sich zu entwickeln, und Zur herrlichen, genußreichen Fülle heranzurcifen beginnen; so wie nun in ihr und durch sie so mancher armen Familie ein schönes Glück erblüht/, so mancher hinschwindcnden eine kräftige Stütze erwächst, so manchen verzweifelnden sich eine hoffnungsreiche Zukunft erschließt; so schwindet auch der Nebel nach uud nach, der so lange den Blick der Menge umnachtet gehalten, und in immer größerer Anzahl strömt nun die Jugend in die Hallen dieses Gott geweihten Hauses. Mit 16 Schülern ward die Schule eröffnet, und fast das Vierzehnfache dieser Zahl füllt ihre Räume jetzt. Und während es damals Uebcrredung und Verwendung erheischte, um jene kleine Zahl zusammen zu bringen, so ist es jetzt klare Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit und praktischen Nützlichkeit des Instituts, was die Eltern dazu treibt, ihm die Erziehung ihrer Kinder anzuvertrauen. Bedauerlich ist cs aber gleichwohl, daß es doch nur die armen und die minder bemittelten Gemeindegliedcr sind, welche ihre Kinder die Schule besuchen lassen, während von den Wohlhabenden sich nur diejenigen dazu entschließen, die ihre Kinder für irgend ein höheres Studium bestimmen. Die andern hingegen, wiewohl im Allgemeinen auch nicht blind für die Wohlthaten, welche die Schule gewahrt, und darum auch sehr geneigt, sich dieselbe für ihre Töchter zu nutze zu machen, widerstreben jedoch Ln Ansehung ihrer Söhne noch immer ihrer eigenen bessern Ueberzeugung. Dies gab denn dem Director ein Mittel an die Hand, eine Art indirekten Schulzwanges zu instituircn, indem er festsctzte, daß kein Mädchen solcher Eltern, die ihre schulfähigen Knaben dem Schulbesuche entziehen, zu demselben zugclaffen werden dürfe. Allein die Sucht, den Sohn dereinst auf dem Rabbinerstuhle prangen zu sehen, durch ihn mit einer Fa-j. milie, die irgend ein winziges Rabbinerchen, irgend einen armseligen!. Schriftgclchrten unter ihren Ahnen zählt. Ln ein Familicnbündniß tretend zu können, so wicdle Besorgnis), daß der Schulbesuch dem Thalmudstudium des Sohnes Abbruch thue und all die schönen Aussichten vereiteln werde, machen den Vater blind gegen alle andern Rücksichten. Denn so wenig aufrichtige Achtung auch der wirkliche, lebende Rabbiner Hierrands gemeinhin zu genießen pflegt, so ist doch jeder Vater entzückt, in seinem Sohne einen Rabbiner ln sxe — an der hiezu erforderlichen Verblendung fehlt es wohl keinem Vater — zu erblicken, und scheuet daher keine Mühe, keine Kosten, keine Opfer, ihn diesem, seiner Ansicht nach höchsten Ziele menschlicher Wünsche zuzuführen; eben so erlebt der Rabbiner nach dem Tode, was er im Leben nie oder selten zu erleben Pflegt: H daß sein Name, so unbedeutend er immer sein mag, seiner Verwandt- und Nachkommenschaft zur reichsten Mitgift wird. Um die aus diesen verkehrten Ansichten sich ergebenden falschen Richtungen in der Jugenderziehung in das rechte Geleise einzulenken, und

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