Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Joseph Perl und die Schule zu Tarnopol
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 3)
- Language
- German
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314 Nachrichten. tm Jahre 1813 mit 16 Schslern den Unterricht eröffnen, zu welchem Dehufe er einstweilen, bis zur Vollendung des Schulbaues, die erst im Jahre 1915 erfolgte, mit edler Uneigennützigkeit 6 Zimmer in seinem eigene« Hause einräumte. — Noch im Jahre 1812 hatte er einen zu einem Schulgebäude geeigneten Grund an sich gebracht, auf dem er nun ein schönes, solides, geräumiges und stockhohes Gebäude aufführen ließ. Um dem gewöhnlichen Vorurtheile der hierländischen orthodoxen Juden zu begegnen, daß nämlich das bloße Erlernen des ABC schon ein Schritt zu Apostasie und Laufe sei, erlannte er die Nothwendigkcit, dem Institute einigermaßen eine religiöse Färbung zu geben, und dem eigentlichen Schulgebäude auch 2 Betsüle, einen für Männer und einen für Frauen, anzuschließen, worin er jedoch aus eben dem erwähnten Grunde in Ansehung des CultuS jede wesentliche Abweichung von der Hierlands üblichen Form auf das Sorgfältigste vermeiden mußte. Der Schulfond bestand ursprünglich bloß Ln dem Ertrage dcS Schulgeldes, das für einen Knaben mit 12, und für ein Mädchen mit 10 Dukaten jährlich bemessen war. Daß dieser Fond noch bei weitem nicht auslangte, die Bedürfnisse der Schule zu decken, leuchtet ein; und der Edelmuth des hochherzigen Stifters ward nun auf die härteste Probe gestellt, indem er, selbst von Fortuna nicht allzureich bedacht, bis um die Mitte deö Jahres 1619 alljährlich an 1500 fl. C. M.aus seiner Tasche zum Fond zuschießen mußte, um nur die Anstalt aufrecht zu erhalten. So lange noch die Larnopolcr Landschaft einen Theil des russischen Gebietes bildete, konnte er sich wenigstens mit der Hoffnung trösten, den Fond in Kurzem auf sichere Grundlagen basirt zu sehen, im festen Vertrauen auf die ihm von dem hochsinnigen, um diese Anstalt hochverdienten, russischen Senator von LH eilS, — der Namens seiner Negierung der Verwaltung dieses Landstriches Vorstand und ihn mit seinem persönlichen, unumschränkten Vertrauen beehrte, — gemachte Zusage, nachdem das Schulgebäude erst vollendet dastchen werde, von seiner Negierung liegende Güter zur Dotirung des Instituts zu erwirken. Diese schönen Aussichten schwanden aber gänzlich, als die Landschaft im Jahre 1615 wieder dem österr. Gebiete einverlcibt ward. Tiefe Trauer erfüllte die Gemüther mancher Einwohner TarnopolS, als jener Edle aus ihrer Mitte zog; — er, der ein Freund der Unglücklichen, ein Beschützer der Unterdrückten, ein Vater der Armen gewesen; er, dessen Gerechtigkeitslicbe, Weisheit und Güte ihm ein ewiges Denkmal der Liebe und Verehrung gebaut in ihren Herzen. Aber auch die Schule verlor in ihm einen großmüthigen Freund und Beschützer. Unvergeßlich bleiben ihr die Stunden, die er, sich an dem Fleiße und guten Fortgange der Jugend ergötzend, in ihrem Innern weilte. Es war ein rührender und hcrzcrhcbcnder Anblick, wie dieser Menschenfreund, ein fast 70jährigcr Greis, bei den öffentlichen Prüfungen seinen Sitz verlassend, sich Ln die Bank setzte zu den Kindern, und seinen Arm legte um den Nacken des lesenden Kindes, ihm das Buch verhaltend, und mit liebevoller väterlicher Milde zusprcchend, und sich