Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Joseph Perl und die Schule zu Tarnopol
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 2)
- Language
- German
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Nachrichten. 313 Vorzüglich durften eS mir Ihre Leser Dan? wissen, da? ich sie mir dem Manne bekannt mache, der, sich selbst emporringend aus dem zu jener Zeit, ganz Russisch-Polen und Galizien, einen großen Theil der Moldau nnd Wallachei überstuthenden und selbst bis an Ungarns Grenze hinanspülenden ChassidäiSmuS, den schweren Kamps mit sich selbst, mit den eigenen von Jugend auf eingesogenen Vorurteilen und Jrrthümern, und den noch schwerem mit den ihm feindlich gegenüber stehenden obskuren Dekenncrn des heillosen ChassidäiSmuS, wie nicht minder mit den gewöhnlichen bornirten Formglüubigen, diesen zwiefachen Kampf also nach Innen nnd nach Außen so siegreich durchgerungen, und durch Lhütigkeit und Energie und mancherlei Opfer jenem Institute Dasein und Begründung gegeben hat. Dieser Mann, Herr Joseph Perl, Stifter und gegenwärtig auch Dircctor der nun den Namen „Deutsch-israelitische Hauptschule" führenden Lehranstalt zu Tarnopol scheint überhaupt, so wie sein stilles, aber kräftiges und segensreiches Wirken zum Heile unserer galizischen Glaubensgenossen, von unfern deutschen Brüdern noch nicht genugsam erkannt und nach Verdienst gewürdigt worden zu sein. Ich habe mir daher für diese Mittheilung die Aufgabe gestellt. Ihnen eine gedrängte Darstellung der Entstehung und Begründung, wie der innern Verfassung unseres Instituts zu liefern, und dann eine kurze Uebcrschau seiner bisherigen Leistungen in Bezug auf Erziehung, Gesittung, Kultur und Gcwerbsflciß folgen zu lassen. Nur muß im Voraus erinnert werden, daß — wenn auch im Verlaufe dieser Darstellung dies nicht alle Mal ausdrücklich angcdcutet werden sollte, — Herr Joseph Perl jede dieser gedeihlichen Bestrebungen entweder unmittelbar geleitet, oder aber zu denselben den ersten Impuls gegeben hat. Mit einem geringen Vorrathe materieller Hülfsmittcl, aber mit einem desto lebendigem Eifer für alles Gute, und einem regen, thatkräftigen und unternehmenden Geiste ausgerüstet, faßte er, — von der lebhaften Ueberzeugung durchdrungen, daß nur eine durchgreifende Reform des ersten Unterrichts, wie der Jugenderziehung überhaupt, die galizische Judenschaft aus ihrer moralischen Versunkenheit zu reißen und ihr eine, ihrer intellektuellen Zähigkeiten würdigere Stellung in der Gesellschaft zu erringen vermag, — den löblichen Entschluß, diesem humanen Streben hier in Tarnopol eine Stätte zu weihen, hoffend zugleich, daß die zu erwartenden gedeihlichen Erfolge andere Gemeinden oder die Erleuchteten in denselben zu ähnlichen Stiftungen anregen und anfcucrn werden. Während er nun die Mittel vorzubcreiten, die Angriffe der Gegner abzuwchren, den Zond zu consolidircu, ein Loeale zur Aufnahme der Anstalt zu schaffen, und die Sanktion der Regierung zu erlangen bemüht war, gelang cs ihm zugleich, einige der aus den Josephinischen deutschjüdischen Lehranstalten hcrvorgegangenm tüchtigsten Schulmänner an sich zu ziehen. Mit Hülfe dieser entwarf er nun einen Lehrplan, wie er den Anforderungen der Zeit und des Ortes zunächst entsprach, und ließ noch