Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortsetzung eines Schreibens des Herrn Joseph Schwarz aus Jerusalem an seinen Bruder, Hrn. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 6)
- Language
- German
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308 Nachrichten. jedoch drückende Lasten und eine allgemeine Theuerung zur Folge hatte. Dazu kommt noch der Uebelstand, daß hierorts nicht etwa wie in kul- Livirten Staaten der Verkaufspreis der Lebensmittel nach amtlichem Tarif bestimmt wird, sondern es bleibt der Willkür des Verkäufers überlassen, seine Maare zu beliebigen Preisen abzugeben. Bon obgedachten Abgaben, so wie überhaupt von allen drückenden Lasten, die der Pascha seinen Untertanen auflegt, sind sowohl wir Deutschen als auch alle von Europa eingewanderten und nicht dem türkischen Sultan untergeordneten Fremden — in der Landessprache Franko genannt — gänzlich befreit. Wir genießen gottlob des besondern Schutzes unsers einschlägigen europäischen Konsuls (Paschator genannt), und die drückenden Landcsgesetze berühren unS nicht im mindesten. Während noch vor wenigen Jahren der occidentalisch gekleidete Europäer der öffentlichen Beleidigung und tätlichen Mißhandlung von Seite des PöbelS anSgesetzt war — aus welchem Grunde auch ich mich gleich nach mcimr Ankunft Ln Palästina genöthigt sah, meine deutsche Kleidung gegen die türkische zu vertauschen — , wird jenem Ln neuerer Zeit mit Zuvorkommenheit und Hochachtung begegnet. Vor Gericht erscheine ich jedesmal in deutscher Tracht und werde dann als Franko mit besonderer Auszeichnung behandelt. Folgende Erzählung möge Dich, m. gel. Br. überzeugen, wie selbst die sonst so rücksichtslose Strenge der Ncbcrmacht (Gesetze kann ich'S nicht nennen) gegen den Europäer schonend verfährt. Bekanntlich trifft man in keiner Stadt Palästina's eine Kaserne. Die Einquartierung des Militärs geschieht auf folgende empörende Weise. Etwa 2 Tage, bevor eine Stadt mit Militär besetzt wird, begiebt sich ein Hauptmann in Begleitung von zwei Männern dahin Ln ein beliebiges HauS, besichtigt die innern Wohnungen, und findet er diese seinem Zwecke angemessen, so befiehlt er in einem > Tone, der Alle zittern macht, daß bis zum bestimmten Tage das ganze HauS geräumt sein müsse; nun wird von HauS zu Haus gegangen, bis ^die ganze Mannschaft rrntergebrachi ist. Voll Angst und Schrecken erfüllt, ^muß die bedauernswürdige Familie betrübten Herzens — nicht selten auf ^Jahre lang — auswandern. Hier hilft kein Einwenden, kein Bitten -und Weinen; man fordert Gehorsam, und wehe der Familie, die ihn nicht pünktlich leistet. Im vorigen Monate nun wurde die hiesige Besatzung bedeutend vermehrt und auf gedachte Weise von drei furchterregenden Männern für das hinzugekommene Militär Wohnungen ausgemittclt. Mein Haus schien ihnen zu gefallen, denn cs wurde von diesen mir sehr unwillkommenen Leuten besucht, und in Beschlag genommen; binnen zwei Tagen sollte ich nolens volens meine Wohnung verlassen und sie meinen ungeladenen Gästen einräumen. Als ich ihnen jedoch bedeutete, daß ich ein Deutscher — Franko — sei, entschuldigten sie sich ihres JrrthumS und verließen mich freundlich. Nach einigen Tagen hielt das Militär seinen Einzug in Jerusalem, mein Haus blieb verschont. Auf noch originellere Weise wird bei Anwerbung der Soldaten, die ganz unerwartet und zuweilen sogar 2 — 3mal jährlich stattfindet,