Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortsetzung eines Schreibens des Herrn Joseph Schwarz aus Jerusalem an seinen Bruder, Hrn. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 5)
- Language
- German
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307 Nachrichten. aus dem kornreichen Deutschland eLngewanderten, ist der Mangel an Kornbrod empfindlich. An GemüsearLen und Baumfrüchten hingegen giebt es reichlichen Ueberfluß, und auch jene im Oecident unbekannten Gattungen, welche an verschiedenen Stellen in Mischna und Thalmud Vorkommen, und die hier sämmtlich mit demselben Namen, wie Maimonides in arabischer Sprache sie bezeichnet, genannt werden. Sehr -u bedauern ist der gänzliche Mangel an Kartoffeln; zwar wurden schon mehre aus Polen eingebrachte in Palästina verpflanzt, doch sie wurden vom rohen Pöbel noch unreif auSgcrisscn; die wenigen, von Italien nach Baprut versendeten, werden hierorts sehr thcuer bezahlt. Ochsen sicht man in ganz Palästina nicht. Da Kühe nur dann geschlachtet werden, wenn sic zur Arbeit unbrauchbar geworden und fast nicht mehr so viel Lebenskraft besitzen, sich fortzuschleppen, so ist ihr Fleisch beinahe ungenießbar, aber dennoch theuer. Nur die in dieser Gegend vorzüglich fetten Schafe geben das schmackhafteste Fleisch. Diese versehen uns auch allenthalben mit guter Milch, denn Ziegen giebts wenige, Kühe aber sind gar nicht melkbar. — Die Mohammedaner genießen nur dann von dem geschlachteten Vieh, wenn der Schächter vorerst folgende Worte gesprochen: Bifim al-la wachbar, d. h. Im Namen des allmächtigen Gottes. Auf andere Weise als nach jüdischer Vorschrift geschlachtetes Vieh, wie z. B. u. dgl., genießen sie durchaus nicht. Sämmtlichcs Vieh wird nun durch Israeliten vorschriftsmäßig geschlachtet; ist nun deren Fleichbedarf hinlänglich befriedigt, so wird das übrige, so wie auch das etwa wegen r-NtziN für diese verbotene Fleisch von Mohammedanern gekauft. Die Spannader-PH wird hierorts vorschriftsmäßig auSgeschicden und sodann die sogenannten hintern Viertel gegessen. —Kurz wir haben Gottlob! an Lebensmitteln reichen Ueberfluß und genießen seit neuererZeit ein friedliches ruhiges Leben. Das einzige, was den hiesigen Aufenthalt ungemein erschwert, ist die ungewöhnliche Theuerung, die jedoch erst seit meinem Hiersein cingetreten und noch immer im Steigen begriffen ist. So z. B. kostete vor wenigen Jahren ein Midda (ung. 11 Maas) Weizen 70 gegenwärtig 400 (1 fl. 57 kr.). Ein gewisses Quantum Oel früherhin 15, jetzt 55 7211O' Die Ursache dieser Theuerung ist zunächst, die zur Sicherheit des Landes seit der jüngsten Revolution von Jbr. Pascha in Egppteir angeordncte Militärbesatzung Ln ganz Palästina, namentlich aber hier in Jerusalem, so wie auch die fast unerschwinglichen Abgaben, welche die Inländer, besonders aber der Bauernstand zu tragen hat. In letzterer Hinsicht herrschte vor der Revolution eine wahre Unabhängigkeit und Willkür; cs wurden weder Steuer noch sonstige Abgaben von den Gütern und Erträgnissen des Landes an die Behörde entrichtet; die Lebensmittel konnten daher zu den billigsten Preisen verkauft werden. Seit der Novation hingegen nahm das Geschick Palästinas eine andere Wendung. Die Aufrcchthaltnng der Ordnung, und der Vollzug der Landesgesetze soll nunmehr durch Mlitärgcwalt bewirkt und ausgeführt werden, welche Anstalt — für die öffentliche Sicherheit und Ruhe zwar heilbringend —