Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortsetzung eines Schreibens des Herrn Joseph Schwarz aus Jerusalem an seinen Bruder, Hrn. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 7)
- Language
- German
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Nachrichten. 309 verfahren. Um Mitternacht dringen mehr« Hanptleüte aus dem Militär in die Häuser der Stadt, und schleppen die kräftigen Söhne als Soldaten fort. Dies Geschäft dauert so lange, bis die Anzahl Mannschaft, welche von jener Stadt gefordert wird, aufgebracht ist. Während dieser Zeit sind die Stadtthore auch bei Tage gesperrt, auf den Straßen Wachen ausgestellt, so daß ein Entwischen — das im Entdeckungsfallc schrecklich bestraft wird — durchaus nicht möglich ist. Ganz anders ist die Berfahrungsweise bei der Conscription unter den Dorfbewohnern. Der Vogt (Scheck, Schech genannt) wird gerufen, und ihm befohlen, bis genannten Tag die zu bestimmende Anzahl Mannschaft aus seinen Bauern als Soldaten zu stellen, widrigenfalls koste es seinen Kopf. Es ist nnbe- , schrciblich, welch einen Schrecken und Jammer diese Art der Soldaten-? anwerbung unter den Stadt- und Dorfbewohnern erregt. (Frts. folgt.) (Die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät.) ES ist unfern Lesern wohl hinlänglich bekannt, daß der Plan, eine Anstalt zu gründen, welche zugleich der Sitz einer wissenschaftlichen jüdischen Theologie und die BLLdungsschule für praktische jüdische Theologen sei, in neuester Zeit von Hrn. I). Philippson (Allgemeine Zeitung des Judenthnms Nr. 88) mit praktischer Gewandtheit wieder ausgenommen worden ist, und daß derselbe zur Ausführung dieses Planes eine rühmliche Thätigkeit entfaltet. Die Anstalt soll durch die Zinsen eines durch ganz Deutschland zu sammelnden EapitalS von 100,000 Thalcrn begründet und erhalten werden. Der Gedanke hat, wie er es verdient ., an den meisten Orten sehr erfreulichen Auktaug-gefunden; bereits sind von einigen Seiten anständige Summen gezeichnet, wahrend an andern Orten die Sammlungen noch im Werke sind. Ueber die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt ist wohl kaum mehr nöthig zu sprechen; ich habe bereits früher darauf aufmerksam gemacht, und habe es auch nun für meine Pflicht gehalten. Ln einer kleinen Brochürc: lieber die Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät (22 S. Preis 18 kr^, vorräthig bei der Brodhag'schcn Buchhandlung in Stuttgart) nochmals nach Kräften darauf hinzuwciscn, und da der Ertrag des SchriftchenS als Beitrag zur Fundinmg der Facultät bestimmt ist? so hoffe ich, daß unsere Leser lieber dasselbe sich aneignen, als hier einen Auszug daraus lesen wollen. Der Begründung dieser Nothwendigkeit werden sich, wie ich mir schmeichle, keine bedeutenden Gegengründe entgegenstellen lassen; die Sache ist mit möglichster Ruhe und fern von allen Parteiansichtcn behandelt. Vorausgesetzt habe ich jedoch, daß die Facultät an einer Universität errichtet werde und nicht als Seminar abgesondert dastche, worin man auch wohl im Allgemeinen einverstanden sein wird. Von dem bei Hrn. O. PH. auch mitgenannten (Lehrer-). Seminare habe ich ganz abgesehen; ein solches ist einerseits nicht nöthig und andererseits genügt eines nicht. Die durch den Staat gegründeten Lebrerseminarien stehen auch den jüdischen Jünglingen, welche sich zu Lehrern bilden wollen, offen, und an vielen ist bereits Sorge getragen, daß den jungen Männern die Anleitung zum Religions-