Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortsetzung eines Schreibens des Herrn Joseph Schwarz aus Jerusalem an seinen Bruder, Hrn. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 4)
- Language
- German
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.Iva Nachrichten. nächtlichen Aufenthalteine einfache Hütte auf. Im Monat hingegen ziehen sie sich, der nun eintretenden kalten Nächte wegen, in ihre Wohnungen zurück. UeberdieS fällt um diese Zeit der Thau so stark, dade- Morgens Bett und Gewand wie in Wasser getaucht, durchnäßt sind. — Der Winter in Palästina ist also bloß darin vom Sommer unterschieden, daß es an jenem zuweilen ein oder mehre Tage lang regnet; ist dieser Regen vorüber, so folgen warme Sommertage. Schnee ist etwaungemein Seltenes; dieser wird jedoch gern gesehen, weil, er anhaltenden Regen verkündet. Nnr selten bleibt derselbe über einen Tag liegen. Im vorigen Jahre jedoch Januar 1636 , fiel eine .solche Masse Schnee, daß er erst nach 12 Tagen schmolz — eine in dieser Gegend wirklich unerhörte Erscheinung. In dem 4 Stunden südlich von Saphet liegenden Dorfe Brehm steht die Ruine eines Gebäudes, welches dic Lehrschule des Propheten Obadiah gewesen sein soll. Am Eingänge dieses uralten Ueberrcstes ist folgende, mit hebräischen Quadrat- Buchstaben in Stein gehauene llebcrschrift zu lesen: ^22 8212» „Staunet nicht, wenn in ^*>2 (.April) Schnee fällt, wir haben diesen sogar in (Juni) erlebt." Merkwürdig ist, daß es in Palästina nur im Winter, und zwar gegen Anfang oder Ende desselben, niemals aber im Sommer ein Gewitter gtebt. Von Blitzableitern weiß man im ganzen heiligen Lande nichts. Mehre Fremde glaubten, und auch ich war anfangs der Meinung, daß auf der hiesigen Festung ^>2 ein solcher angebracht sei; bald aber überzeugte ich mich aufs genaueste, daß dieser vermeintliche Blitzableiter nichts anders als eine Stange ist, an deren Spitze zuweilen eine Fahne aufgesteckt wird. Die Fruchtbarkeit des Bodens in Palästina ist vorzüglich gut. Die Natur scheint in diesem Lande den Mangel an ökonomischer Wissenschaft reichlich zu ersetzen. Häufig sieht man Felder, die so sehr mit Steinen übersäet sind, daß der Ausländer sie für öde Steppen hält, während diese, in reichem Maaße gesegnete Aernten liefern. Der Anblick der Bearbeitung des Feldes ist für den Fremden wirklich erbärmlich zu nennen. Bei gänzlicher Ermanglung des Pflugeisens wird Lediglich mit einem hölzernen, einem Baumaste ähnlichen, von einer abgemagertcn und kraftlosen Kuh bespannten Apparat der Boden gleichsam nur aufgentzt, und der Saamen nngestrem. Daß bei dem äußerst schlechten Viehstande lein Dünger gewonnen werden kann, versteht sich von selbst. Doch der von Natur sehr fette Boden bedarf dessen nicht. Ein deutscher, in TiberiaS ansäßiger Oekonom erzählte mir, daß er versuchsweise einmal nach europäischer Weise sein Feld mit Dünger versah, doch der Boden brannte aus und es war an keine Aernte mehr zu denken. — Jene Products, welche im OccidenL im Juli und August zur Reife gelangen, find es hier schon im April; Ln diesem Monat beginnt auch die Aernte. Die Weinlese hingegen nimmt erst im Oktober ihren Anfang. An Getreide liefert das Land bloß Weizen und etwas Gerste; es gibt daher nur weißes Brod. Für den Fremden, namentlich für einen