Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Fortsetzung eines Schreibens des Herrn Joseph Schwarz aus Jerusalem an seinen Bruder, Hrn. H. Schwarz, Rabbiner in Hürben
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 3)
- Language
- German
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Nachrichten. 3SS Dorol") liegt —, hierher geleitet wird/ ist in Jerus. weder Quelle noch Brunnen zu finden. . ES ist daher an jedem Hause eine sehr tiefe Grube angebracht/ welche das auf der Fläche des Daches sich sammelnde Negenwasser zum Lebensunterhalte aufnimmt/ und das, so wenig man es auch vermuthen sollte, sehr gut und erfrischend ist. — Ich muß Dir bemerken, gel. Bruder, daß fast alle übrigen Städte Palästinas reichlich mit Quellbrunnen versehen sind; so z. B. besitzt die 16 Stunden von hier entfernte Stadt labende Quellen, prachtvolle Gärten und Fruchtbäume, die , für unsere ganze Umgegend Paradiesäpfel liefern. Fragen wir nun: wie kommt cS doch, daß gerade Jerus. hievon eine nicht erfreuliche Ausnahme macht; daß gerade die heil. Gottesstadt (Ps. 48, 8) keiner erquickenden Quellen sich erfreut? tvgl. Ps. 46, 5. 2. Könige 20, 20. 2. Ehron. 32, 30), so finden wir in folgendem Umstand die genügendste Antwort. Jerus. wurde nach den Leider so oft, zu verschiedenen Zeiten erlittenen großen Zerstörungen jedesmal aus ihre eigenen Ruinen und Schutthaufen wieder erbaut. ES ist daher hier umsoweniger möglich, ursprüngliche Quellen aufzufinden, als auch bei den tiefsten Nachgrabungen, 'der vielen Ucberschüttungen wegen, nicht Leicht mehr die ehemalige Bodeufläche ausgesucht werden kann, lieber diesen Gegenstand werde ich Dir, m. gel. Vr., späterhin bei Gelegenheit der versprochenen Abbildung und Beschreibung der und der heil. Gräber u. s. w. wichtige Notizen und lehrreiche Aufschlüsse mittheilcn. Für jetzt will ich bloß zur Bestätigung des Gesagten eine tatsächliche Merkwürdigkeit anführen. Auf Befehl des Pascha's wird gegenwärtig auf dem ung. 90 Ellen im Quadrat umfassenden leeren Platze neben der Festung (Ln der Landessprache Kallee genannt) ein großes massives Gebäude aufgeführt. Im April dieses Jahres begann die Arbeit mit Ausgraben des - Bodens zur Befestigung der Grundmauern. Man fing an auf zwanzig Stellen gegen 15 Ellen Lief auszugraben, und jedesmal stieß man auf unterirdische Gewölbe und Gebäude von ausgezeichneter Bauart. Noch ) immer werden neue Entdeckungen gemacht, die jeden in Erstaunen setzen. Unter andern wurde eine breite Straße aufgcfundcn, welche zwischen großen Gebäuden durchzieht, von welchen mehre dreistöckig waren. Vor wenigen Tagen besichtigte ich diese unterirdischen Alterthümer, und meine Bewunderung stieg aufs höchste. Die Hitze Ln den Sommertagen ist nichts weniger als drückend, indem beständig ein kühles, erquickendes Lüftchen die Atmosphäre durchstreicht, welches auf die ganze Natur sehr wohlthätig einwirkt. Es ist allgemeine Sitte, daß die meisten hiesigen Einwohner während der^ Sommernächte außerhalb ihrer Wohnung, in einem Hofe unter freiem! Himmel schlafen, da sie nicht zu besorgen brauchen, jemals von Regen*' oder Gewitter aufgeschreckt, in khre Wohnungen znrückgctrieben zu werden. Nur wenige — worunter auch ich — schlagen sich behufs dieses *) Nicht zu verwechseln mit *>22 im Stamme (Los. 19, 45). 2üd. Zeitschr. IV. Vd. 20