Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Zeitschriften [Nachricht]
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 6)
- Language
- German
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Nachrichten. 2SL Idee wollte in der Zelt vertreten sein, und „der Jude" sprach für Ge^ Wissensfreiheit, zog deren Gegnern in alle Schlupfwinkel nach und entriß ihnen alle Argumente, mit welchen sie den alten Glaubenshaß beschönigen und verteidigen wollten. So sprach er zwei Jahre lang fort; der Geist blieb und zeigte sich in immer neuen Schöpfungen, der Charakter.blieb und immer erhabener ging der Adel der Gesinnung hervor, aber, wenn ich nicht irre, die frohe Zuversicht schwand allmälig. Die Zeit, wo das Wort und die Wahrheit viel wirken konnte, war im Abzüge; ein jeder suchte wieder sachte das verlassene Plätzchen auf und behauptete nun, was er noch davon cinnehmen konnte, mit Recht oder Unrecht, wo möglich auch das Aufgegebene wieder zurückfordernd. Eine Zeitschrift aber muß auch eine ihr vollkommen entsprechende Zeit haben, und wenn diese nicht vorhanden ist, so ist cS besser, jene einzuzichen, als sie matt fortleben zu lassen.- Ob Messer dies Alles bedacht hat, ob er mit voller Erwägung der Umstände seine mit dem frohesten Jubel ausgenommene Zeitschrift einstweilen nicht regelmäßig fortzusetzen sich entschlossen hat? Ich weiß cS nicht, möchte es aber vermuthen. Wieviel er beigctragen zur günstigen Lösung der Frage über die bürgerliche Gleichstellung der Juden, wer wollte dies abwägcn? Genug, den einen Theit seiner Mission hat er erfüllt; er hat den Juden selbst ein gemeinsames Interesse cingeflößt. Vor ihm und mit ihm, auch nach ihm, wenn wir so sagen dürfen, haben noch Andere verdienstlich für denselben Gegenstand gewirkt; doch gesteht cs jeder gerne ein, daß er am tüchtigsten dafür gearbeitet. Bürgerliche Gleichstellung war demnach daS Losungswort geworden, welches alle Juden unter die Fahnen rief. Da mochten nun Einige in dem Juden bloß den ungerecht Zurückgesctztcn erblicken, und einzig und allein in diesem Umstande Interesse für'die Juden, zu denen sie der Geburt nach gehörten, empfinden; Andere waren vielleicht aus persönlichem edlem Trotze oder aus andern Rücksichten in dem Kreise der Judenheit verbleiben, und nahmen somit auch au ihrem bürgerlichen Streben Anthcil, aber weiter erstreckte sich auch wohl ihre Theilnahme nicht. Das konnte aber doch nicht in dcr.Gesammtheit so sein. Wenn sie als Juden litten und strebten unk mit Interesse auf ihre Stellung als Juden in der Gesellschaft blickten, so mußten sie sich ja auch lebendiger vergegenwärtigen, was sie denn eigentlich zu Juden mache. Und so war der Blick auf das Judenthum und dessen Zustände hingelenkt; waS früher sich schon mannigfach in Bezug auf diese geregt hatte, das mußte nun verstärkt hervortrcten, aber auch mit größerem Selbstgefühl, denn man schämt sich nicht mehr Jude zu sein; aber auch Mit größerer Offenheit, denn man glaubt, im Bewußtsein der Würde rücht so Zaghaft sein zu müssen; aber auch mit stärkeren Ansprüchen an die Juden, denn sie find Ln lebendiger Aufregung, und da läßt sich mehr leisten als in der starren Ruhe; aber auch mit vollem Streben, Leben und Wissenschaft in Einklang zu bringen, denn es sollen nun nicht bloß die Ungebildeten erzogen werden, sondern ein