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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 2 · p. Seite 290

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 2
Article
Jüdische Zeitschriften [Nachricht]
Date
1839-01-01
Page
Seite 290 (sequence 5)
Language
German
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2W Nachrichten. bürgerliche Stellung der Juden, welche theilS bloß sehr langsam verbessert, theilS sogar durch Rückschritte der Staaten nach Abwerfung der Fremdherrschaft noch verschlimmert wurde, sehr fühlbar drückend geworden; brachte dieser Umstand Einzelne zum Austritte aus dem Verbände des JudenthumS, Mehre zum stillen Lossagen von deren Interessen, welchen sie aufzuhclfen weder die Kraft noch den Willen fühlten, so erregte dies doch in einem großen Theile einen herben Mißmuth, der gerade die TheLlnahme an den Juden, wenn auch nicht besonders an dem Judenthume, Ln ihnen wach erhielt, und des Augenblickes harrte, wo er mit Kraft und Erfolg sich äußern könnte. Die Zcitverhältniffe brachten den Augenblick z wir stehen in der Gegenwart. ES war eine schöne Zeit froher Hoffnung entstanden; Alles schien jugendlich umgewandelt und in frischer Kraft neu belebt zu werden. Ein froher rosiger Traum, wie ihn die Mutter Geschichte, angcekelt von der Fadheit und Blasirtheit des wirklichen Lebens, zuweilen träumt und dann die Gestalten, welche da vorschweben, noch eine Zeit lang im wachen Zustande mit voller Lebendigkeit erhält, bis sie denn doch abbleichen — ein Traum, der, man kann nicht sagen, ob er ans dem elfenbeinernen oder hornenen Thore gekommen ist, wohl ans beiden zugleich. Genug, die Energie des Geistes, das Bewußtsein menschlicher Würde nnd äugeborner Rechte erwachte; ob sich Schmarozerpflanzen an den Stamm dieser kräftigen Wurzeln anlehnten, gleichviel. Die Juden, welche schon lange ahnten oder wußten, daß ihnen das Vorurtheil, die Vornehmheit der Bevorzugten und der Irrglauben ihrer höheren Würde, kurz alle Ursachen und Wirkungen des bestehenden Zustandes, den sie nicht verschulden, cutgegenstehen, sahen nun ein, daß ihre Frage mit einer Weltfrage in Verbindung stehe. Aber es bedurfte eines so an Geist wie an Charakter ausgezeichneten Mannes, der mit der vollen Klarheit, mit der lebendigsten Indignation, aber auch mit dem gläubigen jugendlichen Vertrauen das Wort für sie führte, und der Mann ward uns. Es erwachte ein allgemeines Interesse unter den Juden für ihre bürgerliche Stellung. Diejenigen, welche sich in der bisherigen Lage sehr wohl gefühlt hatten, weil sie in ihren perslulichen Verhältnissen keinen Druck verspürten, lernten den höher» Gesichtspunkt würdigen, aus welchem die bürgerliche Zurücksetzung der Juden zu betrachten sei; die Höhcrgebildeten und Verbildeten sehen es nun ein, daß ihre vielleicht hinter ihnen an Bildung zurückstehenden GlanbenSbrüder dem Principe nach gleiche Rechtsansprüche hätten, und daß sie sich von diesen nicht in ° Erlangung der Rechte, sondern Ln dem aus denselben zu ziehenden l u Micher, Vortheile unterscheiden könnten; die Gleichgültigen wurden aufgerüttelt, und die wohlmeinenden Verbesserer bekannten, daß die bürgerliche Gleichstellung nicht eene Folge Ihrer Plane, sondern mit eine Bedingung derselben sei. ES war nun eine Idee da, welche die Juden umschlang, die Juden nach den verschiedensten Stünden, Bildungsgraden und religiösen Ansichten. Diese

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