Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 3)
- Language
- German
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252 Kurze Anzeigen. haben, theilS wiederholte oder erste Abdrucke älterer derartiger Erzeug, utsse, wie Hr. v. Martinet Ln seiner Chrestomathie eine Sammlung auS bereits vorhandenen Schriften veranstaltet und uns in der auzuzeigrnden Schrift ein. bisher bloß handschriftlich ausbewahrtes altes Gedicht gedruckt vorliegt. In ersteren können wir nun, unscrS Dafürhaltens, keine Bereicherung der Litteratur finden, sosehr wir dem poetischen Talente und der Sprachgewandtheit der Verf. unsere Anerkennung nicht versagen können; letztere könnten als HülfSbüchcr zur Bewältigung des schon vorhandenen, der Geschichte anheimgefallenen, Stoffes oder auch zur Vermehrung desselben Billigung finden. Allein schon die Emsigkeit, mit der man sich diesem Gegenstände hingiebt, und gar die Überschätzung, mit welcher man von diesen Produeten spricht, scheint mit einer Tendenz unserer vielfarbigen und mit sich im Kampfe liegenden Zeit, der Tendenz einer Wiederherstellung des Mittelalters zusammenzuhangen. Wir sind weit entfernt, dem Mittelalter seinen Werth, den es durchdringenden Ideen ihre Erhabenheit absprechcn, die in ihm waltende Kindlichkeit und tiefe Innigkeit — freilich neben der verstocktesten Unmenschlichkeit — verkennen, kurz von unserem reflectirenden Standpunkte aus die dort vorherrschende Unmittelbarkeit abschätzen zu wollen; aber wenn wir auch gerne zuweilen in diesem romantischen Garten träumend lustwandeln und unS durch die Phantasie dorthin versetzen, so möchten wir und — können wir doch nimmer diese Zeit der Bewußtlosigkeit herbeirufcn und müssen wir dieses Gebiet wie so manches andere der Vergangenheit als ein unS nun entrücktes betrachten, das schön ist, wenn wir unS lebhaft hinein versetzen, aber grotesk wird, wenn wir cö uns wieder umschaffen wollen. Indem wir den Vorzug, welchen die umfassendere Auffassung und tiefere geschichtliche Erkenntniß unserer Zeit uns sichert, den Vorzug, entschwundene Standpunkte nicht in Einseitigkeit zu beurtheilcn, nicht verlieren wollen, dürfen wir auch nicht auf der andern Seite einseitig werden, das neue, selbstständige Streben, das sich in der Gegenwart geltend macht, verkennen, um eine Trümmer der Vergangenheit zu werden. Hiemit, wie gesagt, scheint unS die so heftig erwachte Lust an der neuhebräischen Poesie Ln Verbindung zu stehen, und sowenig wir den Herren, welche dieser ihre besondere Teilnahme und Sorgfalt schenken.