Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beitrag zur Entwickelungsgeschichte des Begriffs von der Unsterblichkeit der Seele im Judenthume
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 8)
- Language
- German
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238 lV. Beitrag zur EntwkckelmigSgeschichte Bewußtsein des Volkes trat, erzeugte als eine nothwendkge Folge den Glauben an ihre Unsterblichkeit. Er war bei den pharisäischen Juden Volksglaube, und die Beweise für denselben,/welche der Thalmud (Sanhedrin Cap. 11.) >'n der h. S. ausgesprochen finden will, scheinen ganz vorzüglich für die Sadncäer ausgestellt worden zu sein ^712 (rnir-n ),)2 v-'r-LN r-?in-, HX (Sanh. 92). Die Hagada, welche befreit von den Fesseln der logischen Reflexion nicht mit dem nackten Begriffe sich begnügt, sondern auf dem Gebiete der Phantasie und des Mythos ihre concreten Gestalten erschaffet, schildert uns ganz ausführlich den Zustand und daö Schicksal der Seele in ihrem einstigen Sein. Sie liefert uns bei dieser Schilderung Hypothesen und Dichtungen, aber keine Glaubenssätze, sie beachtet es deßhalb auch wenig, ob die einzelnen Darstellungen sich widersprechen, oder nicht. Der CausalnexnS zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Leben, welcher sich in den prophetischen Schriften noch nicht befindet, ist deutlich ausgesprochen im Thalmud lSlboth h, 16. Kiduschin 39. HO. Chullin Dl ). Gleich nach dem Tode wird die Seele von Engeln in Empfang genommen, deren Begrüßung ihr daö Schicksal ihres neuen Lebens verkündet (Bamidbar Rabba Cap. II). Die Seele deS Froinmcn lebt fort und weiß alles, waö auf Erden und im Himmel sich ereignet (Berachoth 18.), und verweilt in 7-,--,-; i" der Nähe des Golcesthroneü l---,22N 822) (Sabbath 153), die Seele der Gottlosen aber verfällt in Bewußtlosigkeit lBerachoih 18). Wenn auch der Thalmnd an einer andern Stelle tSanh. 92.) behauptet, daß alle Menschen nach ihrem Tode den Schevl besuchen und in demselben bis zur Auferstehung verweilen, so ist dort unter Scheol das Grab, der Ruheplatz deS Körpers zu verstehen, die Seele aber bleibt nicht auf Erden, sie besucht zwar in den ersten zwölf Monaten zuweilen die Leiche, dann aber kömmt sie nicht eher wieder herab, als bis sie bei der Auferstehung den Körper belebt.