Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beitrag zur Entwickelungsgeschichte des Begriffs von der Unsterblichkeit der Seele im Judenthume
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 6)
- Language
- German
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236 IV. Beitrag znr Entwickelurrgsgeschlchte Für «in geistiges Substrat aber, welches ausschließlich dem Menschen eigenthümlich ist, hat die hebr. Sprache keinen Namen. Auch liegt das Nachdenken über diesen der Anschauung nicht unterworfenen Gegenstand weit über den Grenzen der Kindheit, und es muß deßhalb auch nur in dem reifern Alter des Judenthums ausgesucht werden. In der Hagada ist der Unterschied zwischen Leib und Seele schon ins klare Bewußtsein getreten, es wird dort die Seele als eine für sich bestehende Substanz betrachtet, welche es gar nicht nöthig hat, mit einem Körper verbunden zu werden. Die Seele präexistirt im Guf (Aboda Sara 5.) oder im Araboth (Chagiga 12 I»), sie hat nach ihrer Trennung von dem Körper ihr vollkommenes Bewußtsein und sehnt sich sogar nach einer Wiederverbindung mit demselben (Bresch. Rabba llä). Auffallend bleibt es zwar, daß der Thalmud auch der Leiche Gefühl (Sabbath 152) und sinnliche Wahrnehmung (eu«I.) zuschreibt, wenn sich dies nicht etwa durch die Hypothese erklären läßt, daß die Leiche in ihrem ersten Jahre von der Seele zuweilen besucht werde (oust. 153), daß es demnach doch immer die Seele ist, welche fühlt und wahrnimmt. Daß die Seele als eine selbstständige Substanz betrachtet wurde, welche ohne alle Derbindung mit irgend einem andern Wesen Existenz habe, beweist auch der ungekünstelte Begriff von ni-'N'' (Thaanith 27.) und die Lehre der Kabbala, daß Adam, als er die Seele Davids sah, bemerkt habe, daß ihr kein irdisches Leben bestimmt worden sei. (Sohar, Schir Haschirim 15). Sobald das Judenthum den Begriff Seele als einen Gegensatz vom Körper gefaßt hatte, schrieb eü ihr auch eine wesentliche Selbstständigkeit zu, ergab sich auch als eine unausbleibliche Folge der Glaube an ihre Unsterblichkeit. Alle mühsamen Beweise, in den heiligen Schriften die Unsterblichkeit der Seele von der Art zu finden, daß der menschliche Geist in einem Jenseits mib klarem Selbstbewußtsein und mit einem Erinnern an das Diesseits fortexistire, scheitern