Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beitrag zur Entwickelungsgeschichte des Begriffs von der Unsterblichkeit der Seele im Judenthume
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 4)
- Language
- German
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234 IV. Beitrag zur E»rtwlckel»ngsgeschichte Wirklichkeit wiedergiebt, sondern als ein neues Product der Phantasie weit über die Wirklichkeit erhebt und sie in Mythen, Legenden, Parabeln und Hyperbeln kleidet. In diesem Charakter erscheint uns die zweite Periode des JndenthumS, es ist jene, in welcher die Hagadoth und mannigfachen Midraschim sich gestalteten. Und endlich stellt die Geschichte uns auch noch die UebergangSperiode dar, welche von der phantasirenden, dichtenden Jugend inö reflectirende Männeralter führt, jene Periode, in welcher der Geist zur klaren Erkenntniß strebt, und die von der Kindheit und der Jugend geerbten Ansichten theils zu entfernen» thcils zu berichtigen sucht, in welcher er aber doch noch zu sehr gefesselt von seinen Lieblingsmcinungcn sich begnügt, wenn er daö Materielle vergeistigt, die Hypostase pneumatisirt hat; es ist jene Periode, in welcher logisch-ordneuder Verstand und mysiificirendes Gefühl sich zu trennen strebte, in welcher jene in der arabischaristotclisch-scholastischen Dialektik und dieses in der mystischen Geheimlehre» als Kabbala, ihre Gebiete fanden. — Diese drei Periode» haben sich in der Geschichte der israelitischen Religion historisch festgeset.it, sie erscheinen uns als die prophetische, rnidraschische und die dialektisch-mystische; ihre Abschließungszeiten bilden die drei Epochen, an welchen der jedesmalige Fortschritt gesucht werden muß, obgleich diese AbschließnngSzcit, weil dieses Bewegen ein organisches ist, sich niemals scharf abgrenzt, sondern in zarten Schattirungen in einander fließend sich darstellt, (ck. I). Zunz, Gottesdienstliche Vorträge n. s. w. Organismus der Hagada. S. 505). Dieser freie organische Entwickelungsgang zeigt sich bei allen Neligionöwahrheiten, welche als angeborne Ideen im Menschengeiste ruhen, und deren er sich durch ein ungehindertes Entfalten unter der Sonne der Zeit, nach und nach, und immer reiner uud vollkommener sich bewußt wird. ES sind diese: die Ideen über Gott und dessen Verhältnis; zur Schöpfung — Theologie im engeren Sinne des Wortes —,