Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Fasttage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
- Language
- German
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21» H. Ueber die jüdischen Fasttage. dem 9ten Slb keinen weitern allgemeinen Fasttag" (Pesachim, L4b; Thaanith 11b)." 14. Wir nehmen hier Gelegenheit, in einer Anmerkung von der öesondern Richtung, welche diese Ascese dcö Fastens in Babylonien nahm, Einiges zu berühren. Es scheint den Babyloniern zum eignen Grundsatz geworden zu sein, das leibliche Leben, als ein dem Menschen von Gott anvertrautes, edles Gut, nicht durch selbstauferlegtes Kasteien oder sonstiges Abhärmen zu verkümmern. Schon der ehrwürdige Hilel gab seinen Schülern die praktische Lehre, daß cs eine gotteodienstliche Hand-' lung sei, den Körper gesund und bei Kräften zu erhalten 8"^"! 34). Als N. Iosch (Lhaanith 22 d.) sagte: cs dürfe sich der Einzelne nicht durch Fasten abhärnrcn, erklärt der Babylonier Nab den Grund dieses Ausspruches, weil Gott haben wolle, „daß die Seele, die er dem Menschen gegeben, durch die Ernährung des Körpers in ihm erhalten werden soll." — In gleichem Sinne wurde auch die Ascese des Fastens von vielen babylonischen Nabbinen betrachtet. So sagt der erleuchtete Samuel: 82"!N '22 (2haanith 11 d). Derselbe sagt bei einer andern Gelegenheit (B. Kama 91 d),i daß das Fasten als ein S ichselbstzuleidthun anzusehen sei. Ein anderer Babylonier, N. Schcschet, sagt an derselben Stelle (Thaanilh 11 b), „daß einem Schüler, der da faste, ein Hund seine Mahlzeit verzehren möchte," (nach Naschi) er habe weiter nichts mit seinem Fasten gewonnen, als, daß er für den Hund etwas erübrigt. Derselbe sagt auch (Bcrachoth Abschn. 1): „das eigentliche Verdienst bei dem Fasten sei die wohtthätige Spende, die gewöhnlich damit verbunden ist." Es dürfte vielleicht die Parsenlchre, welche damals in jenem Lande herrschend war, nicht ohne Einstuß auf die Gesinnung tiefer Männer, namentlich auf Samuel geblieben sein. Denn nach Zoroastcrs „lebendigem Worte" „ist das Fasten weder verdienstlich noch erlaubt, denn der Mehestan soll sich immer in derjenigen ungcschwä'chten körperlichen Kraft erhalten/, durch welche er gegen die Feinde des Guten wirken kann, und nicht durch Hunger seine Aufmerksamkeit beim Lesen des Gesetzes geschwächt werde." (Kleukers Zcndavesta 1. Ihell, Seite 57, 56.) Vielleicht. . aber auch dcßwcgcn, weil Babel ein kühleres Land als Palästina ist, wie schon Abraham ben David zu der Stelle ^22 bemerkt (s. Nissim Lhaanith). Ganz anders war cs mit den Palästinenser Gelehrten gleicher Zeit, welche weit mehr auf das Fasten hielten. So R. Elicser: „wer da faste, sei ein Heiliger" (Thaanith 11 u); derselbe sagt auch: (Berachoth 32 d) »Fasten sei besser als Allmosengeben." (Derselbe sagt jedoch in gleichem Sinne auch: „Gebet sei besser, als Guttha'tigkeit," und dürfte deßhalb vielleicht auch das erstcre subjective Ansicht sein.) R. I. B. Levi, R. Ia fsi (eigentlich N. Assi, siehe