Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Fasttage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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21V II. Ueber di« jüdischen Fasttage. Untersuchung über die gesetzliche Verbindlichkeit dieser Fasten bei den heutigen Israeliten überflüssig. Wir würden jedem deßhalb Fragenden das 58. Capital des Jesaias und das 7. u. 8. Cap. des Sacharja verlesen, und am Schlüsse hinzusctzen: »Gehe ist dein Drvd in Freuden, trinke deinen Wein mit gutem Herzen, denn Gott hat schon längst (nur) deine Handlungen verlangt.« Allein so gut stehen unsere Sachen schon seit langer Zeit nicht mehr. Die Schulen haben jetzt auch ihr Wort in die Wagschale zu legen, und die Lehrer antworten auf keine religiöse Frage früher, als nachdem sie die Aussprüche Vieler erforscht, das alte Herkommen befragt und jede kleinliche Rücksicht erwogen; und wo diese nicht alle einstimmig ihr Jawort geben, so erheben Propheten und Menschenvernunft umsonst ihre Stimme. Zum Glück jedoch haben wir bei dieser unserer Frage, selbst bei dem so gemischt besetzten Forum, immer noch gewonnene Sache. Denn der Thalmud selbst steht uns zur Seite und halt uns den Weg offen, zu dem göttlichen Worte der Propheten zurückzukehren. Wir mögen das Bestehen dieser Fasttage nach gesetzlicher oder historischer Seite hin verfolgen, so finden wir, daß dieselben nicht nur heute nicht mehr rabbinisch verbindlich sind, sondern auch, daß ihr Herkommen nie recht Fuß gefaßt, ihre Zahl zu allen Zeiten nicht die gleiche war, ja, daß man gar nicht mehr weiß, ob diese heutige» Tages von uns asketisch gefeierten Tage auch wirklich noch dieselben sind, welche sich ursprünglich als die Träger des Gedächtnisses bezeichnen sollten, um welches Israel zu trauern hatte. Gleich anS der Anfrage jener babylonischen Gesandtschaft und der Antwort des Propheten (Sach. Cap. 7) erhellt, daß nur die Erinnerungstage des 5ten und (etwa auch) des 7ten Monats, als die des GesammtisraelS schmerzlichsten Verluste bezeichnenden Fasttage waren. Das Haus Jehuda hingegen nahm sich auch noch das Unglück der Stadt Jerusalem besonders