Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Fasttage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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207 V. lieber die jüdischen Fasttage. zweck einer hochverdienten Tugend ans Kosten der inner» geistigen GotteSweihe, wie zu einer frühem Zeit die blutigen Thieropfer. Denn als noch der Tempel des Herrn auf Morkah stand und in demselben ein Altar mit einem ewig zehrenden Feuer, da eiferten Iesaias (Cap. 1), Hosea (Cap. 6), AmvS (Cap. 5), Micha (Cap. 6), Jeremia (Cop. 7) und Assaph der Sänger (Ps. 50) gegen den eingerissenen Wahn, wie man doch alle Religion mit diesem priesterlichen Schlachtdienst als abgemacht sehen möchte. Als aber der Tempel niedergebrannt und Israel ausgetrieben war, und so daö geliebte Opferwerk von selbst aushörte, da wußte das Volk eigentlich nicht, mit welcher thcuern Hingebung es seine Frömmigkeit auf eine äußerlich überzeugende Weise darlegen könnte. Bald jedoch fand sich das AuSkunftmittcl, indem es darauf kam, sich selbst zu Leibe zu gehen, sein eignes Fett und Blut darzubri'ngcn. * Sich aber zu der göttlichen Lehre seiner Propheten zu verstehen, sich zur religiösen Bildung des Herzens und Ueberwindung der moralischen Uebel zu erheben, war ihm damals, wie heute noch, eine schwierigere Aufgabe, als sich in dem negativen Kraftaufwand, in der Kasteiung seines Fleisches, fromm zu zeigen. Es kam auch wirklich mit dieser neuen Art von Opfer dahin, daß man sie bald so theuer hielt, um mit ihrem Werth ein, durch verübte Laster etwa, verschuldetes Gewissen frei lösen zu können. So geschah es, daß wie die Propheten aus der Tempelzei't die schädliche Ueberschahung der Thieropfer zu tadeln hatten, die späten, Gottesmänner gegen die, zu ihrer Zeit eingerissene Volkösttte der allversöhnenden Ascese zu eifern gezwungen wurden. So hält einmal das Volk dem Propheten dessen (wie es meint ungerechten) Tadel vor, indem es spricht: „Wir fasten ja, und du willst es nicht sehen, wir 4. So wird das Fassen auch betrachtet, Zcrachoth 17 a.