Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über das Entbehren lederner Schuhe am Versöhnungstage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
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II. Ueber das Entbehren lederner Schuhe. 173 oder noch besser gegen Erkältung schuhen. Wir sehen zugleich, daß sie ihre Verwendung ganz aufhebt, da, wo die eigentliche Beobachtung nicht angeht, was auch bei uns der Fall ist. — Soll etwa ein Andenken von den fünf Kasteiungen bleiben, für die der Thalmud Stützpunkte in der Schrift findet? " Aber eine der fünf Kasteiungen geht ja auf jeden Fall für uns ab, die denn wer vermißt das Salböl? Kann dessen Nichtgebrauch nicht zu den Entbehrungen sinnlicher Vergnügungen gezählt werden, weil wir es nie brauchen , so darf der Gebrauch ordentlicher Schuhe eben so wenig ein Genuß genannt werden, weil wir sie nie entbehren. Nun noch ein Wort über unsere Ansicht und Absicht bei dergleichen Bestimmungen und Untersuchungen, um zu begegnen auf der einen Seite dem spöttischen Lächeln der Jndifferentisten, denen ein ernstlicher Kampf um einen Schuh (Amvs 2,6. 8, 6.) fast eben so anstößig sein dürfte, wie das Varfußgchen selbst, und auf der andern dem bedächtigen Kvpfschütteln der friedsamen Klugen mit dem Leibsprnche: nrrr" deri 2«, denen es sehr unbesonnen scheinen muß, einer solchen Kleinigkeit wegen, als das legale Material der Schuhe für zwei Tage im Jahre ist, da doch niemand barfuß geht, die Eiferer heranözufordern und zu reizen. Den Einen sagen wir: Lachet ihr über die Einfalt, die sich bei euch ein Verdienst zu erwerben hofft durch das Wcgränmen eines Saudkörnchens, das ihr im Darübergchen gar nicht spürt, so täuschet ihr ench gewaltig, denn wir sind 11. Wcin cs mit diesem älomenln Ernst ist, dem müßten wir rächen, sich Erdschollen in die Schuhe zu legen, wie cs Mordechai zu Mocd katon demjenigen empfiehlt, der vor einem große» Herrn erscheine» muß, der ein barfüßiges Auftreten übel nehme» konnte. Das Nachlassen von der ursprünglichen Strenge macht cs den Werkhekligen unserer Zeit gar zu leicht, sich durch Scheinfrömmigkeit hervorzuthun und de» wenigen aufrichtigen (und darum achtbaren » Anhänger» des Altherkömmlichen gleichzustcllcn. Müßten sie das Opiat für ihr Gewissen um einen Hohr» Preis erkaufen, sie würde» schwerlich so rasch zugreifcn.