Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über das Entbehren lederner Schuhe am Versöhnungstage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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168 H. lieber das Entbehren lederner Schuhe. zu gehen. Könnte sich'S der eifrigste Verehrer der alte» Institutionen einfallen lassen, am Tage der Tempelzerstörnng (wo nach herkömmlicher Sitte so manche abgeschmackte Unschicklichkeit begangen wurde und wird), mit bloßen Füßen (der ursprünglichen Bestimmung gemäß) in der Synagoge zu erscheinen? Wer würde hierin nicht die schamloseste Entweihung des HeiligthumS erblicken? während im Alterthume die Ehrfurcht gebot, nichts anders zu erscheinen. Eine solche Gewalt übt die Zeit über unser« Art die Dinge zu betrachten, und kein krampfhaftes Festhalten an äußern Formen schützt gegen die Umwälzungen der Ansichten, die sie herbeiführt. Ist es nun nicht zum Verwundern, daß der Gebrauch, die Schuhe auszuziehen, beim Priestersegc» 2^2 N2N2wo er nach dem Thalmud Sota üOa von Nabban Jochanan ben Sakkai als Ehrenbezeigung vor der Gemeinde 222 NiIrn cingeführt wurde/ sich bis auf unsere Tage erhalten hat? Im Lhalmud (das.) wird zwar noch ein anderer, etwas sonderbarer Grund hervorgesucht: es könnte einem Einzelnen an den Sandalen ein Niemen losgehen und er dadurch verhindert werden, sich sogleich zum Segen anzuschicken, waS ihm den Verdacht zuziehen möchte, er sei aus einer illegalen Ehe entsprossen, nrion p 1« nviis Z2, und deßhalb untüchtig; allein eine derartige Besorgnis; ist ja bei unserer Fußbekleidung ganz undenkbar. Wer weiß jetzt von dergleichen (in der jerusalemischen Gemara vorkommenden) Verordnung in Beziehung auf die Leichen träger, >>2271 die noch Maimonides C 4, 3. anführt, aus der ähnlichen Besorgnis;, es möchte einem von ihnen ein Riemen an den Sandalen reiße», wodurch er in der Pflichterfüllung verhindert würde? Schon Karo in seinem Evmmentar zu der 4. Wahrscheinlicher eigentlich, wie schon im 3. Bd. dieser Arsche. S. 42! bemerkt worden, um diese noch allein übrige Function der Sohne Aarono den Verrichtungen im Tempel, wo die Priester barfusr erscheinen imchtcn, gleich, und dadurch wichtiger zu machen.