Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über das Entbehren lederner Schuhe am Versöhnungstage
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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II. lieber das Entbehren lederner Schuhe. l<»7 nicht bloß ln der (Privat» und öffentlichen) Trauer (am 9ten Ab), sondern auch beim Priestersegen und am Versöhnungstage vorkommt. Untersuche» wir zuförderst die Bedeutung desselben, so finden wir das Entblößen der Füße im Alterthum sowohl als Zeichen der Ehrfurcht (eine heilige Stätte durfte nicht anders betreten werden, 2. Mos. 3, 5. Jos. 5, -15. Derachoth 9, 5.), wie als Zeichen der Trauer, und sollte es nach den Nabbincn für eine (am Dersöhnungstage gebotene) Kasteiung gelten. Fassen wir diese Sitte mit Hrn. v. Anb als Beweis der Demüthigung ans, so haben wir den gemeinsamen Grund der beiden erstgenannten Bedeutungen, was aber seine Erklärung nur darin findet, daß man in der uralten Zeit in den Schuhen eine Art Gemächlichkeit und folglich Hoffahrt erblickte, weßhalb man sich auch an einem Fasttage derselben enthalten zu müssen glaubte, so wie z. D. des Salbens oder Einreibens mit Oel s Diese Ansicht scheint uns ganz deutlich ausgesprochen in den Worten: „Die Weichlichste und Verzärtelteste unter dir, die eS nie versucht, ihre (bloße) Fußsohle auf die Erde zu stellen vor Verzärtelung und Weichlichkeit." 5. Mos. 28, 56. Was uns um so weniger befremden kann, wenn wir auch anderswoher wissen, daß man damals zu Hause gewöhnlich barfuß ging, wie unzweideutig hervorgeht aus der Schilderung des Neiseanzuges 2. Mos. 12, tl., in welchem das Pcsach gegessen werden sollte: »Eure Lenden gegürtet, eure Schuhe an euren Füßen und euer Stab in eurer Hand." Wie ganz anders verhält sich nun das in unfern Tagen! Was ist bei uns unanständiger und unschicklicher als barfuß 3. Wie das Verbot des Schuhausziehcns als (was doch lm Lhalmud gewiß Kasteiung bedeutet) gelten kann, wenn man, wie Hr. »- Aub meint, aus Gemächlichkeit die Schuhe auszog, begreife» wir nicht. Was Spätere und Occidcntalcn hierüber sagen, beweist nichts.