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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 2 · p. Seite 164

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 2
Article
Poesie, Prosa, Verlegenheit
Date
1839-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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l<»4 1. Poesie, Prosa, Verlegenheit. eine» Theil des Daches abdeckt und sich mit einigen Blättern »nd dem durchziehenden Winde täuscht, aber mit desto schärferer Begrenzung jeder äußern Form, wie der Schatten in der Hütte sei, wie die Wände, wie viel ihre Anzahl, wie das Dach und von welchem Stoffe, hat man wiederum den Schmelz hinweggenvmmen und ein lebloser Stengel ist übrig geblieben. — Ans gleiche Weise ist dem Weihfeste seine ganze Bedeutung entzogen. Man zündet acht Tage hintereinander winzige Lichtlei» an, ohne daß die geringste Familienfrende daraus entsteht; der Unverheirathete ist verpflichtet, das Gebot zu erfüllen, aber nicht die Wittwe mit großem Haushalte; die Zahl der Lichtlein, der Brennstoff, alles genau bestimmt, mag es so armselig und so freudlos sein, wie eS wolle, wenn nur die Form beobachtet wird. DaS Christenthum hat dieses Fest auf seine Weise ausgebildet, aber mit einer häuslichen Poesie, die in ihrem eigentlichen Wesen von aller Dogmatik ferne ist, daß eS das Gemüth aufs Tiefste berührt. Es hat damit noch unsere Purkmfeier verbunden, die Freundschaftsbezeigungen in Geschenken; bei uns ist auch dies in eine so unästhetische Weise versunken, daß es in Lächerlichkeit ausgeartet oder zum Bettel geworden ist. Auch hier ganz offenbar, weil man schenken mußte, und ein Müssen in solchen Dingen führt zu gegenseitigem Abfinden; der innere Familienkreis blieb gänzlich unbeachtet. Wir könnten noch mit solchen Klagen fortfahren; aber die Thatsache ist wohl genug erwiesen: Duft, Blüthe, Farbenpracht ist aus dem Gebiete, wo gerade die Poesie walten sollte, geschwunden, eine zertretene, beschmutzte Papierblume ist geblieben, wer mag sie aufhebcn? So ist also die zarte Pflanze der Poesie, die der sorgsamsten Pflege bedarf und sie verdient, in dem religiösen Familienleben geknickt, die Prosa der Satzung hat sie unsanft berührt und sie hat ihre Blätter unwillig eingezvgen, und deßhalb sind wir in banger Verlegenheit. Wer weckt sie uns wieder aus ihrem Schlafe?

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