Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 2
- Article
- Poesie, Prosa, Verlegenheit
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I«2 I. Poesie, Prosa, Verlegenheit. Unverwüstlich ist die freie poetische Bewegung selbst in Mitten einer gedrückten VolkSclasse, wenn sie nur irgend eine Idee hat, an der sie sich zu erheben vermag, und diese gemüthliche Aeußerung hat dann das hohe Verdienst, das; sie bei allem Wechsel der Ansichten, sobald sie nur ihre freie Gestaltung nicht einbüßt, sich erhebt und wieder neu verjüngt. — Der Gedanke der Befreiung von irdischem Drucke, wie ihn das Fest der ungesäuerten Brode dem Israeliten theilS als Thatsache, theilö als Hoffnung vor das Auge führt, findet an dem ersten Abende dieses Festes seine Verwirklichung in der Familie, wo Phantasie und Vertrauen den Mangel voller Wirklichkeit ersetzen muß. Der Hausvater in patriarchalischer Würde des freien Hausherrn, gedenkend der väterlichen Liebe Gottes, die den Vorfahren und dem Geschlechts der Gegenwart ihren Beistand geliehen» mit den Hausgenossen erheiterndes Getränke genießend; sinnige Ausschmückung der Tafel, freudige Gesänge, die eben so wenig der Gottesverehrung als warmer Lebensfreude entbehren, hieran sich anlehnend freundlicher Scherz mit den Kindern — das ist ein schönes Familienfest. — Die ländliche Hütte am Herbstfeste, geschmückt mit dem Besten, was das HauS, und mit dem Reize, den die Flur bietet; die Beleuchtung des Hauses bei der Tempelweihe, das Beschenken der Freunde an dem Feste her Loose — sind dies nicht lauter Momente, die im Innern der Familie aller Herzlichkeit und Innigkeit, die dort verborge» ist, eine liebliche Richtung geben? ' Aber leider ist der freie Erguß des GemütheS wieder zur Satzung geworden. ES thut uns wehe, in dem Schönsten, das ein religiöses Leben bietet, gleichfalls Stoff zum Tadel zu finden; aber nur durch diesen kann vielleicht das wahrhaft Erhebende wieder seine Geltung erhalten. Es mag sein, daß noch hie und da der s. g. Geber an den ersten Abenden des Pesachfestes mit seinen Lehnkissen, den aus