Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Christliche Zeitschriften
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2929020-2929036-2929038-2931406--2214-2931572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 Nachrichten. dchauvcln, und dem Bestreben gegenüber, die theologischen Annahme« in ihrer geschichtlichen Entstehung von den leisesten Anfängen an bis zu ihrer gegenwärtigen Gestalt zu verfolgen und sie so geschichtlich zv begreifen, ist die andere Forderung entgegen getreten, die kirchlichen Dogmen als die höchsten philosophischen Dcnkresultate zu erfassen, wo« bei jene nur zuweilen ihres etwaigen nieder» CharacterS der „Vorstellung" entkleidet und zu einem höhcru Ausdrucke gebracht werden sollten, und dieses nannte man, die theologischen Sähe philosophisch begrei« fen. Nur haben diejenigen, welche dieser Philosophie nicht huldigten, mehrfach darauf hingewiescn, daß diese angebliche innige Vereinigung der kirchlichen Theologie mit der Philosophie in Wahrheit nur eino Knechtung jener unter diese sei, und daß der Gebrauch kirchlich dogmatischer Formeln nur eine Vorspiegelung von Nccbtglänbigleit sei, indem der Gehalt dieser philosophischen, wenn auch scheinbar gleichen, Ausdrnckswcise ein ganz anderer sei, als der in der Kirche angenommene. Die Hegelianer hatten diesen Gegnern immer vorgeworsen, sie verständen das System nicht, sie fielen entweder auf einen bereits „überwundenen" philosophischen Standpunct der früheren Zeit, namentlich Kant's, zurück, oder sic hätten einen theologischen Aberglauben, der in einem Meinen herumtappc, ohne zu einem Wissen zu gelangen. In der neuesten Zeit sind jedoch Gegner aufgcstandcu, welche ans dieser Schule selbst hervorgegangen und mit deren Anforderungen sehr wohl vertrant sind, dennoch in dem Systeme Blößen zu entdecken glauben, und mit allen Waffen des Systems gerüstet, über cs hinausgehcn wollen; auch diesen werfen zwar die Anhänger Mißverständnis; vor, was sich aber diese Gegner nicht so leicht gefallen lassen zn müssen glauben. Zn diesen Gegnern gehört u. A. auch besonders der Hcransgeber der genannten neuen Zeitschrift, und das Bestreben in derselben ist, in philosophischer Hinsicht eben sich einen neuen fester« Standpunct zu begründen. In Bezug auf die Theologie zeigt sich in dem ersten bis jetzt erschienenen Hefte (ll u. 158 S.) einerseits gleichfalls das Bestreben, die Hegcl'scheu Deutungen der kirchlichen Gtanbenspuncte als untergeschoben rarznstcllen und die angcbliche Versöhnung als eine wahrhafte Vernichtung der Theologie nachzuweisen. So zeigt Fichte in seinem einleitenden Aussage: Speenlation und Offenbarung, daß der Begriff der „Offenbarung" in dein Hegelscheu Systeme aus einer äußer» Thatsache in einen im Innern des Menschen vorgehenden dialektischen Proccß verflacht werde, und daß die Anschmiegung an kirchliche Formeln und Ausdrücke bloßer Schein sei; so Witt Nitzsch in einer Necension des Gabler'schen Programms: Do voino jilllioZoplitao ein igtianam pietate Nachweisen, daß es, um ein Anhänger des christlichen Glaubens zu heißen, keineswegs daran genüge, in den christlichen Glaubenssätzen Wahrheit zu finden, wenn man zugleich behaupte, die Philosophie erzeuge durch sich selbst alle diese Wahrheiten, ja wenn sogar auch zugegeben würde.