Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Leviratsehe und die Ceremonie des Schuhausziehens
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 20)
- Language
- German
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8V VII. Urber die LevkratSehe Beschränkung ausgesprochen werden, vollends alsdann nicht, wenn kein Bruder ihres Mannes da ist. Die Hauptabstcht -ei Ertheilung des Leviratsgesetzes war nach der Meinung vieler gewichtiger Ausleger, daß dadurch die Wittwe, welche -ei dem Tode ihres Mannes keinen Sohn hatte, der daS Erbe seines Vaters erhielt und für seine Mutter zu sorgen verpflichtet war, auf anständige Weise untergebracht und vor Mangel und Elend geschützt werden sollte. Dieser Erklärung muß man, wen» sie auch den Worten der Schrift nicht völlig entspricht, wenigstens das zugcstehen, daß sie dem milden Geiste, welcher die ganze mosaische Gesetzgebung durchdringt, vollkommen angemessen ist, und daß sie mit so vielen andern Anordnungen übcreinstimmt, welche dieselbe zum Schutze und zum Wohle der Wittwen, so wie aller übrigen Hülföbedürftigen, trifft. Darauf nimmt aber der starre Formcnglaube nicht die mindeste Rücksicht. Wenn nur dem Buchstaben Genüge geleistet wird, um den Geist hat er sich nicht zu kümmern. Hier aber, wie auch sonst gar oft, ging er noch weiter. Es war ihm nicht genug, daß er sich völlig an den Buchstaben anklammerte und darüber den Willen und den Zweck des Gesetzes völlig verkannte: er verleugnete auch de» Buchstaben und ging über denselben weit hinaus. Er bildete sich ein ganz neues Gesetz, über welches schon manches weibliche Wesen bittere Thränen geweint hat, indem eS sein Lebensglück zerstörte und es zur trostlosen Verlassenheit verurtheilte. Noch keinem einzigen Ausleger ist eS eingefallen, die Worte: Wenn Brüder beisammen wohnen, für bedeutungslos anzusehen und als müßig dastehend zu betrachten. Alle haben es anerkannt, daß es wohl keinem Gesetzgeber einfallen würde, irgend ein Gesetz mit einer solchen Beschränkung einzuleiten, wen» eö in seiner Absicht lag, ein unbeschränktes Gesetz z» geben. Der neueste Schriftsteller über die Leviratsehe, Nedölvb, urgirt den Ausdruck des