Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Leviratsehe und die Ceremonie des Schuhausziehens
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2929020-2929036-2929038-2931398--2131-2931502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
74 VII. Ueber die LeviratSehe Kinder Verstorbenen, oder auch, wie z. B. Michaelis, die Versorgung der Wittwe, welcher ihr Mann keine Kinder hinterließ, und die deshalb aus dem Hause und Erbe ihres Mannes, welches seinen Brüdern Pustel, vertrieben zu werden in Gefahr stand, als die herrschende, als die einzige Tendenz des Leviratögesetzes ansahen, die Ceremvnie des SchuhausziehenS hingegen, und was damit verbunden war, als beschimpfende Strafe für den seine Pflicht nicht erfüllenden Schwager, soll l lvs im Vorbeigehen erwähnt werden. Auch daran wollen wir nur erinnern, daß in den beiden andern Schriftstellen, wo von diesem Gegenstände gehandelt wird, nämlich 1 Mos. 38 und Ruth Cap. 5 und ä, nur des ersten Lheites deS LeviratsgesetzeS, des Heirathens der Wittwe, Erwähnung geschehe, nicht aber des zweiten Theileü, der beschimpfenden Strafe für den seiner Pflicht sich entziehenden Schwager. Onan wird wohl bestraft, weil er die Wittwe seines Bruders zwar heirathete, aber doch den Namen desselben, durch Erzeugung eines auf seine Rechnung kommenden Sohnes, zu erhalten sich weigerte. Allein die Strafe ist hier «ine ganz andere, nämlich die Strafe des Todes, welche Gott selbst über Onan verhängte. Damals kann von der Chaliza noch gar nichts bekannt gewesen sein, sonst hätte sich wohl Onan, dem die Heirath mit seiner Schwägerin zuwider war , durch dieses Mittel davon lvsgemacht. Im Buche Ruth wird zwar vom Ausziehen des Schuhes gesprochen, aber ganz anders als im mosaischen Gesetze. Denn dort zieht sich der nächste Verwandte, welcher die Ruth als Goel hätte ehelichen sollen, seinen Schuh selbst aus und nbergicbt ihn dem BoaS, um dadurch anzudeuten, daß er diesem sein Recht und seine Pflicht abtrete. Von der Beschimpfung, welche das mosaische Leviratögesctz vorschreibt, daß nämlich die Wittwe ihrem Schwager oder hier ihrem Goel den Schuh gleichsam mit Gewalt auSzog und ihm dabei ins Gesicht spuckte, steht hier nichts.